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Heiße Fassaden in kalter Nacht

Mieter ärgern sich, das Klima leidet, verantwortungslose Vermieter kümmert's nicht: Fehlende Wärmedämmung bei Häusern führt zu immenser Energieverschwendung und Kohlendioxid-Emission. Greenpeace war in den letzten Wochen im Umfeld von Hamburg unterwegs und hat mit einer Spezialkamera Wärmelöcher in Mietshauswänden dokumentiert.

Was wir mit bloßem Auge nicht erkennen können, bringt die Thermo- oder Wärmebildkamera an den Tag: die normale Wärmestrahlung, die von jedem Gegenstand ausgeht. Aber eben auch die vermeidbare Wärmestrahlung, die durch mangelhaft gedämmte Gebäudeteile aus Innenräumen nach außen dringt. Auf dem Bild, dem so genannten Thermogramm, entsteht ein leuchtend bunter Teppich.

Was es für den Energieverbrauch bedeutet, wenn Heizwärme durch Wände und geschlossene Fenster entweicht, davon wissen betroffene Mieter ein Lied zu singen. Die meisten Mietshäuser werden mit Öl- oder Gaszentralheizungen beheizt. Öl und Gas sind teuer. Und besonders Öl erzeugt bei der Verbrennung enorme Mengen an klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2).

Wärmedämmung - zum Vorteil von Klima und Arbeitsmarkt

Das großflächige Sanieren von Altbauten könnte bundesweit jährlich 50 bis 70 Millionen Tonnen Kohlendioxid einsparen. Mit dem positiven Nebeneffekt, dass hierdurch bis zu 400.000 neue Arbeitsplätze entstehen könnten. Das Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt und Energie hat diese Zahl schon 1999 für Greenpeace errechnet.

Jonas Mey, Energieexperte von Greenpeace, findet es völlig unverständlich, warum die Bundesregierung angesichts von über fünf Millionen Arbeitslosen nicht handelt. Zwar fordert sie gern die Förderung der Gebäudesanierung, aber sie geht das Problem nur zögerlich an.

Neue Jobs schafft man am besten, wenn man den vielen Worten auch Taten folgen lässt. Das sollten sich die Politiker bei ihrem Reformgipfel am Donnerstag zu Herzen nehmen, sagt Mey. In kaum einer anderen Branche ergänzen sich die Schaffung von Arbeitsplätzen und der Umweltschutz so offensichtlich.

Unverantwortliche Immobilienbesitzer - ein Beispiel aus Norddeutschland

Vielen Hauseigentümern und Immobilienspekulanten ist ihre Verantwortung schlicht egal. Eine Gesetzeslücke erlaubt ihnen, ihre Gebäude verwahrlosen zu lassen und trotzdem Miete zu kassieren. Die quetschen lieber Profit aus ihren Häusern und bauen darauf, dass sich am Ende die öffentliche Hand ihrer runtergewirtschafteten Gebäude annehmen wird, erklärt Mey. Sie handeln nach dem Motto: Was schert mich der Energieverbrauch - die Heizkosten zahlt ja der Mieter.

Städte und Gemeinden können in solchen Fällen meist nur tatenlos zusehen. Ein Paradebeispiel ist der Immobilienbesitzer Gerd Thormählen. Thormählen hat in den Achtzigerjahren insgesamt über tausend Wohnungen von der Neuen Heimat gekauft - zu symbolischen Preisen. Seitdem kassiert er die Mieten, lässt die Gebäude aber trotz des Drucks der Stadtväter verkommen.

Greenpeace hat in den vergangenen Wochen in Elmshorn, Itzehoe und anderen Städten mehr als hundert verwahrloste Thormählen-Mietshochhäuser fotografieren lassen. Ergebnis: An allen Ecken und Enden signalisieren rote und gelbe Flecken auf den grünlich blauen Bildern Wärmelecks.

Was muss passieren?

Greenpeace fordert die Bundesregierung auf, Wohneigentümer künftig im Rahmen der Wärmeschutzverordnung zur Sanierung ihrer Gebäude zu verpflichten. Eine gute Wärmedämmung kostet zwar kurzfristig Geld, aber die Investition lohnt sich: Die Dämmung hilft, 40 bis 50 Jahre lang Energie zu sparen, und sie schützt zudem die Häuser.

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