Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Handeln Sie innovativ, Herr Schröder!

Der Bundeskanzler soll nicht die völlig überholte Atomtechnologie nach China exportieren, sondern seinen hehren Worten zur Innovation einmal Taten folgen lassen: Exportieren Sie saubere Technologien für erneuerbare Energien in das Reich der Mitte! Das forderten am Dienstagmorgen 40 Greenpeace-Aktivistinnen und -Aktivisten vor dem Bundeswirtschaftsministerium in Berlin.

Bundeskanzler Gerhard Schröder besuchte am Morgen gemeinsam mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao und Siemens-Chef Heinrich von Pierer das Hochtechnologie-Dialogforum im Wirtschaftsministerium. Greenpeace fordert den Bundeskanzler auf, sich nach dem geplatzten Geschäft mit der Hanauer Plutoniumfabrik nun dafür einzusetzen, dass Deutschland moderne Hochtechnologie für erneuerbare Energien nach China exportiert.

Die Umweltschützer lieferten dafür ein erstes Bauteil: Vor dem Wirtschaftsministerium bauten sie den 20 Meter langen und zwei Tonnen schweren Originalflügel eines Windrades auf. Sie spannten auch ein Banner auf: Die Zukunft gestalten: Keine Atomgeschäfte - saubere Technologie für China! Der Bundeskanzler und sein Gast aus China kamen daran vorbei. Allerdings blockierten einige ungeschickt abgestellte Polizeieinsatzwagen teilweise die Sicht der Politiker.

Deutschland hat erstklassiges Know-how für erneuerbare Energien - und China hat erstklassige geographische Voraussetzungen, sagte Greenpeace-Energieexpertin Susanne Ochse. Darüber sollte Kanzler Schröder mit dem chinesischen Ministerpräsidenten sprechen, anstatt China beim Ausbau der Atomenergie zu unterstützen.

Das ostasiatische Land könnte bis zum Jahre 2020 rund 80.000 Windkraftanlagen installieren - und damit eine Strommenge erzeugen, die der von rund 50 chinesischen AKW entspricht. Zu dem Ergebnis kommt eine gemeinsame Studie der Europäischen Windenergie Vereinigung (EWEA) und Greenpeace.

Die Innere Mongolei und die Pazifikküste sind ideale Standorte für Windkraftanlagen. Bislang gewinnt China seinen Strom hauptsächlich aus Kohle. Beim Einstieg in andere, saubere Energieformen steht das Land noch am Anfang - ein idealer Absatzmarkt.

Erst in der letzten Woche hatte Peking überraschend signalisiert, dass es kein Interesse mehr an der Hanauer Plutoniumfabrik habe. Erst im Dezember 2003 war bekannt geworden, dass China die alte Siemens-Atomfabrik kaufen wollte. In Deutschland hatte dies umgehend einen breiten Protest ausgelöst.

Tags:

Weiterführende Publikationen zum Thema

Fukushima-Report 2020

Die Strahlungsmessungen in der Region Fukushima aus dem Herbst 2019 zeigen: Unwetter wie der Taifun Hagibis führen zum Auftreten neuer radioaktiver Hotspots. Auch in den Gebieten, in denen im Sommer 2020 die Olympiade stattfinden soll.

Fukushima-Report: Kinder und Arbeiter

Kinder und die Dekontaminierungsarbeiter leiden besonders unter der radioaktiven Strahlung in Fukushima. Sie ist auch acht Jahre nach dem Atomunfall in Japan noch viel zu hoch.

Mehr zum Thema

Auf Nimmerwiedersehen

Das Atomkraftwerk Philippsburg macht Platz für eine moderne Umspann-Anlage. Greenpeace hat dort häufig protestiert, in der Nacht zum letzten Mal. Ein Abschied ohne Wehmut.

Katastrophe ohne Verfallsdatum

Vor 34 Jahren explodierte Block vier des Atomreaktors von Tschernobyl. Wie schwer der Super-GAU noch Jahrzehnte später wiegt, zeigen die derzeitigen Waldbrände.

Brennende Sorge

Die Brände um Tschernobyl scheinen unter Kontrolle zu sein – unter großem Einsatz der Feuerwehrleute vor Ort. Die Fast-Katastrophe zeigt: Ein GAU ist niemals abgeschlossen.