Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Vattenfall gibt Klima-Unterricht an Schulen

Der Energieversorger Vattenfall veranstaltet im Rahmen einer Klimaakademie Unterricht an Schulen in Brandenburg. Ein ähnliches Projekt läuft seit ein paar Wochen in Hamburg. Diese Kampagne ist nur ein weiterer Versuch des Konzerns, sich ein grünes Image zuzulegen.

  • /

Vattenfall veranstaltet in diesen Tagen an 13 Schulen im Braunkohle- Abbaugebiet im Südosten Brandenburgs Klima-Unterricht. In einem Film können sich die Schülerinnen und Schüler über mögliche Quellen der Energieverschwendung im Haushalt informieren. Danach halten eigens geschulte Mitarbeiter im Vattenfall-Klimaschutzbus einen Kurzunterricht ab. Das Thema: Klimaverschwendung als ein gesamtgesellschaftliches Problem. In den nächsten Wochen soll der Klimaschutzbus in der Lausitz auf 24 weiteren Schulhöfen vorfahren.

Dass die Schülerinnen und Schüler ausgerechnet beim Kohle-Konzern Vattenfall objektiv über Klimaschutz informiert werden, ist kaum anzunehmen. Vattenfall gewinnt seinen Strom zum größten Teil aus dem Verbrennen von Braunkohle und trägt damit erheblich zur Klimakrise bei. Mit 82 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Ausstoß im Jahr 2006 ist Vattenfall der zweitgrößte CO2-Emittent Europas.

In Brandenburg stammen zwei Drittel des CO2-Ausstoßes aus Vattenfall- Braunkohlekraftwerken. Jänschwalde im Südosten des Landes zählt zu den fünf klimaschädlichsten Braunkohlekraftwerken Europas. Um an den Brennstoff für die Kraftwerke zu kommen, werden Landstriche zerstört, müssen ganze Dörfer weichen.

Wer Vattenfall zum Thema Klimaschutz dozieren lässt, kann auch gleich einen Bankräuber über Wirtschaftswissenschaften unterrichten lassen, sagt Karsten Smid, Klimaexperte von Greenpeace. Vattenfall betreibt mit unlauteren Methoden an den Schulen Eigenwerbung.

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisiert die Lobbyarbeit von Vattenfall an den Brandenburger Schulen. GEW-Landeschef Günther Fuchs sagte am Wochenende in der Berliner Zeitung, Vattenfall versuche angesichts der bundesweiten Debatte um den Klimaschutz Einfluss auf die Meinung der Schülerinnen und Schüler zu nehmen. Der Konzern begehe eine Grenzüberschreitung, so Fuchs.

Stromproduktion im Einklang mit der Natur?

Aber nicht nur durch diese Schulkampagne will sich Vattenfall ein grünes Image geben. Auf der Homepage des Konzerns heißt es, Vattenfall produziere Strom und Wärme im Einklang mit Natur und Landschaft. Außerdem trage der Konzern durch effiziente Energienutzung und optimierte Energieerzeugung der Kraftwerke aktiv zum Klimaschutz bei.

Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Beispiel: Steinkohlekraftwerk Moorburg in Hamburg. Mit seiner Inbetriebnahme würde in der Hansestadt der Ausstoß von Kohlendioxid in den kommenden 40 Jahren um 8,5 Millionen Tonnen jährlich erhöht. Dies entspricht einer Steigerung um 70 Prozent. Die Anlage ist ungefähr doppelt so klimaschädlich wie ein modernes Gas- und Dampfturbinenkraftwerk. Zudem ist Moorburg durch die geringe Wärmeauskoppelung ineffizienter als das alte Kraftwerk Wedel, das es ersetzen soll.

Vattenfall verdient Millionen an der Klimazerstörung, Vattenfall betreibt den klimaschädlichsten Kraftwerkspark in Deutschland und Vattenfall zögert nicht, drei weitere klimaschädliche Kohlekraftwerke in Sachsen, Hamburg und Berlin zu errichten, erklärt Karsten Smid. Unter dem Deckmantel Klimaschutz betreibt Vattenfall Greenwashing. Die PR-Abteilung von Vattenfall will mit gezielter Desinformation sich selbst und der dreckigen Kohle ein sauberes Image verpassen.

Auch die von Vattenfall-Chef Josefsson in einem Spiegel Online-Interview gepriesene CO2-Abscheidung hält nicht das, was sie verspricht. Mit dem Verfahren des so genannten Carbon Capture and Storage soll das CO2 nicht mehr ausgestoßen, sondern unterirdisch gelagert werden.

Doch das Lagern tief unter der Erde ist nicht ungefährlich. Durch undichte Stellen könnte das Kohlendioxid austreten und die Gesundheit von Menschen oder Tieren gefährden. Außerdem wäre das Gas dann wieder in der Atmosphäre, was ja vermieden werden sollte. Diese Technik ist zudem sehr teuer. Und für das Verflüssigen des CO2 muss zusätzlich wieder Energie bereitgestellt werden. Der größte Nachteil ist jedoch: Dieses Verfahren wird wahrscheinlich erst im Jahr 2020 einsatzfähig sein. Es würde also viel zu spät kommen, um den Klimawandel zu stoppen.

Vattenfall-Chef Josefsson ist beim Thema CO2-Abscheidung höchst unglaubwürdig. Er wirft immer neue Zahlen in den Raum, wann diese Technik einsatzfähig sein wird. Aber er ist nicht einmal bereit, die Verantwortung für die Jahrhunderte dauernde sichere Lagerung des CO2-Mülls zu übernehmen, kritisiert Klimaexperte Smid.

Publikationen

Factsheet: CO2-freie Kohle-Kraftwerke

Wer Kohle verbrennt, produziert dabei immer Kohlendioxid (CO2). Wenn überhaupt von CO2-„Freiheit“ die Rede ist, dann ist damit gemeint, dass das, was aus dem Schornstein eines Kraftwerkes in die Luft geblasen wird, kein CO2 mehr enthält.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Fahrplan für die Zukunft

Während die Kohlekommission darum ringt, wann welches Kraftwerk vom Netz geht, rechnet Greenpeace vor: So geht die Energiewende; auch ohne Kohle hat Deutschland immer genug Strom.

So werden Sie Waldretter

Wald oder Kohle: Das ist gerade die Frage in dem kleinen alten Waldstück Hambacher Forst. Damit RWE es nicht rodet, kann jeder ein Zeichen setzten – hier sind 10 Tipps.

Bilanztricks bei der LEAG

Die Zahlen sind alarmierend: Dem Lausitzer Braunkohlekonzern LEAG fehlen Milliarden für die Renaturierung. Das ergab eine Analyse von Wirtschaftsprüfern im Auftrag von Greenpeace.