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Thailand und die Kohle

Vor den Augen von 50 Polizisten und 20 Journalisten fuhren Greenpeace-Aktivisten am Freitag mit einem Lkw vor dem Ministerium für Energie in Bankok vor. Die Ladung - vier Tonnen Kohle - landete zu einem großen Teil vor dem Eingang des Gebäudes. Damit protestieren die Greenpeacer gegen die Energiepolitik Thailands, das für die Nutzung fossiler Brennstoffe wie Kohle wirbt - obwohl sie als eine der Hauptursachen der globalen Klimaerwärmung identifiziert ist.

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Die Auswirkungen des Klimawandels betreffen die Menschen und die Wirtschaft Thailands und Südostasiens. Doch statt sich des Themas anzunehmen und für Lösungen zu werben, erlaubt die Regierung die Ausweitung von Kohle-Projekten wie dem kürzlich errichteten BLCP-Kohlekraftwerk. Unterstützung erhalten sie von internationalen Finanzinstituten wie der Asian Development Bank und der Japan Bank for International Cooperation. Dabei ignorieren sie die negativen Auswirkungen ihrer schmutzigen Projekte in Asien völlig, sagt Tara Buakamsri von Greenpeace in Südostasien.

Schon am Donnerstag protestierten Greenpeace-Aktivisiten im thailändischen Rayong gegen die Energiepolitik des Landes. Inmitten eines schweren Polizeiaufgebotes und schlagstockschwingender Arbeiter blockierten sie den Hafen des Kohlekraftwerks. Ziel war es, die Ankunft des Frachters MV Star Europe zu verhindern. Er sollte gegen Mittag aus Newcastle eintreffen und etwa 170.000 Tonnen australische Kohle entladen.

Das umstrittene BLCP-Kohlekraftwerk wird nach Schätzungen in den nächsten 20 Jahren etwa 22,4 Millionen Tonnen Kohlendioxid ausstoßen und damit deutlich zum Klimawandel beitragen. Die Kosten für die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit, Gebäudesubstanzen, Nahrungsmittelanbau, Ökosysteme werden auf etwa 1,6 Milliarden US-Dollar pro Jahr angesetzt.

Noch in dieser Woche kommen die Regierungen und Minister Asiens und Europas zum sechsten Asien-Europa-Treffen in Finnland zusammen. Dort hat der Tagesordnungspunkt Klimawandel höchste Priorität. Die Regierungen Europas und Asiens können die Expansion und die Förderung fossiler Brennstoffe aufhalten und in erneuerbare Energien investieren, um den Klimawandel zu hemmen, sagt Athena Ronquillo-Ballesteros, Sprecherin der Greenpeace International Delegation in Finnland.

Europäische und asiatische Politiker müssen begreifen, dass sie die gefährlichen Auswirkungen des Klimawandels beschleunigen und Asien noch tiefer in seine Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen hineintreiben, wenn sie schmutzige Energieressourcen wie das BLCP-Kohlekraftwerk in Thailand finanzieren. Das Geld muss in saubere Energiesysteme investiert werden, etwa Solarenergie oder Windkraft, fordert Ronquillo-Ballesteros.

Kohle ist der schmutzigste aller fossilen Brennstoffe. Bei ihrer Verbrennung gibt sie 29 Prozent mehr Kohlenstoff per Energieeinheit ab, als Öl und 80 Prozent mehr als Gas.

Die Auswirkungen des Klimawandels nehmen an Schweregrad und Häufigkeit zu. Extreme Wetterereignisse wie Dürren und Stürme leeren nach und nach die Kassen südostasiatischer Länder. Wissenschaftler haben errechnet, dass Thailand bislang 1,75 Milliarden US-Dollar und die Philippinen etwa 83 Millionen US-Dollar aufgrund der sich ändernden Wetterlage verloren haben.

(Autorin: Cindy Roitsch)

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