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Raus aus der Kohle - Energiewende jetzt!

Greenpeace-Aktivisten haben am Mittwochvormittag einen riesigen Kohlehaufen vor die Zentrale des größten deutschen Kohle-Stromkonzerns RWE in Essen geschüttet. Sie protestierten damit gegen die steinzeitliche Energiepolitik des Unternehmens, das immer noch auf klimaschädliche Kohle statt erneuerbarer Energien setzt.

Die Aktion fand am Vortag des zweiten Energiegipfels statt. Am Donnerstagabend werden sich in Berlin die vier großen Stromkonzerne RWE, E.ON, Vattenfall Europe und EnBW mit Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD), Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) und Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) treffen. Die Unternehmen wollen Garantien, auch in Zukunft Kohlekraftwerke - wahre Kohlendioxidschleudern - betreiben zu können.

Diskussionen über die zukünftige Energiepolitik erhitzen derzeit in Deutschland die Gemüter. In den nächsten 20 Jahren muss rund die Hälfte aller Kraftwerke ersetzt werden - aus Altersgründen und wegen des Atomausstiegs. Deutschlands Beitrag zum Klimaschutz wird davon abhängen, durch welche Form der Energieeerzeugung sie ersetzt werden.

Jeder Konzern braucht künftig für die Menge an Kohlendioxid, die er mit seinen Kraftwerken freisetzt, eine staatliche Genehmigung - ein so genanntes Emissionszertifikat. Je weniger solcher Zertifikate erteilt werden, desto besser sieht es für das Klima aus.

Greenpeace fordert darum, die historische Chance zu nutzen und in Deutschland die Weichen für eine klimafreundliche Energieerzeugung zu stellen. Ein Energiemix aus zwei Dritteln erneuerbarer Energien und einem Drittel effizienter Gaskraftwerke bis zum Jahr 2050 wäre technisch möglich. Aber RWE und Co. verweigern sich dem Klimaschutz.

RWE will mit seinen Kohlekraftwerken Deutschlands Zukunft verheizen und Clement macht sich zu ihrem Handlanger, kommentierte Greenpeace-Energieexperte Sven Teske. Wenn die Bundesregierung morgen Garantien für neue Kohlekraftwerke gibt, dann sind das Garantien für Klimachaos, Hochwasser, Dürren und Unwetter. Nachfolgende Generationen werden RWE und Clement dafür verfluchen.

Jedes dritte Kraftwerk in Deutschland gehört RWE. Für 100 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Emissionen ist der Konzern verantwortlich. Sollte die Bundesregierung RWE per Emissionszertifikat gestatten, weiterhin so viel Kohlendioxid freizusetzen, wird sie ihre internationalen Verpflichtungen nicht erfüllen können.

Die Bundesrepublik hat das Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz ratifiziert. Sie hat sich darüber hinaus verpflichtet, 25 Prozent Kohlendioxid-Emissionen bis zum Jahre 2005 einzusparen. Eine Energiepolitik, die auf viel Kohle und wenig Kohlendioxid setzt? Diese Rechnung kann nicht aufgehen.

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