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Protestaktion gegen Pipelinebau am Baikalsee

Greenpeace-Aktivisten haben am Mittwoch in Moskau vor dem Sitz der russischen Umweltaufsichtsbehörde protestiert. Sie beschuldigen das Amt, seine eigenen Wissenschaftler mundtot machen zu wollen. Ein Gremium der Behörde Rostechnadsor hatte zuvor mehrheitlich empfohlen, dem Bau der umstrittenen Pazifik-Pipeline am Baikalsee nicht zuzustimmen. Der Baikalsee ist seit 1996 Weltnaturerbe und eines der labilsten Ökosysteme der Welt.

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43 der 52 der von Rostechnadsor beauftragten Wissenschaftler unterzeichneten am 24. Januar eine Erklärung gegen den geplanten Verlauf der Pipeline. Nach ihrer Einschätzung stellt die vorgeschlagene Route eine große mögliche Gefahr für den Baikalsee dar. In der Folge wurden Wissenschaftler dazu angehalten, mit ihrer Meinung nicht an die Öffentlichkeit zu gehen.

Eigentlich müsste die russische Behörde nach dem eindeutigen Votum den Bau der Pipeline offiziell ablehnen. Immenser Druck von oben dürfte jedoch dafür gesorgt haben, dass nun eifrig nach Schlupflöchern in dem Bericht gesucht wird. Es ist außerdem davon auszugehen, dass die Aufsichtsbehörde jetzt auf der Suche nach Wissenschaftlern ist, die bereit sind, das Projekt abzusegnen.

Ruhigen Gewissens sollte dem Bau der Pipeline eigentlich niemand zustimmen können. Folgt sie der gegenwärtigen Routenplanung, wird sie fünzig Flüsse durchkreuzen, darunter den Angara und den Amur, der Millionen Menschen als Trinkwasserquelle dient. Risse in der Pipeline könnten hier katastrophale Folgen für Mensch und Natur nach sich tragen.

Als besonders verhängnisvoll könnte sich erweisen, dass die Pipeline auch seismisch aktive Regionen passiert. Extreme ökologische und klimatische Bedingungen könnten bereits während der Konstruktion der Pipeline zu Unfällen führen. Die geplante Endstation, die Amurbucht in Primorje, birgt ein 17-mal größeres Risiko in sich als weiter nördlich gelegene Alternativen.

Die russische Regierung hat großes ökonomisches Interesse an der Pipeline, einem Projekt des staatlichen Ölmonopolisten Transneft. Wird sie wie geplant gebaut, so wäre sie die mit 4200 Kilometern längste Pipeline der Welt. Jedes Jahr würde sie achtzig Millionen Tonnen Öl aus sibirischen Ölfeldern bis ins Japanische Meer pumpen. Ihre Fertigstellungskosten beliefen sich auf 18 Milliarden US-Dollar.

Bitte helfen Sie mit, den Baikalsee zu retten. Greenpeace Russland bietet auf der Seite www.livebaikal.ru eine Mitmachaktion an. Gemeinsam mit russischen Prominenten können User hier ihrem Protest mit einem eigenen Foto Ausdruck verleihen. Sie finden den Link auf livebaikal unten auf dieser Seite.

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