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Proteste und Argumente dagegen

Neuer Tagebau Nochten II

Dutzende Ortsschilder abgebaggerter Dörfer und mehrere hundert Kerzen säumten den Weg zur Erörterung für den neuen Tagebau Nochten II. Greenpeace-Aktivisten erinnerten die Teilnehmer daran, dass 1500 Menschen ihre Heimat für den neuen Braunkohletagebau verlassen sollen.

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Trotz Klimawandel und Energiewende möchte Vattenfall in der sächsischen Lausitz weitere 300 Millionen Tonnen Braunkohle abbauen. Bei der Erörterung im sorbischen Kulturzentrum Schleife wurde klar, dass dies auf den Widerstand von Bürgern und Umweltverbänden trifft.

Gleich zu Beginn der Erörterung deckten Greenpeace und andere Umweltverbände auf, dass die Tagebaupläne auf einer fehlerhaften Kohlebedarfsplanung beruhen. "Hier sollen 1500 Menschen ihre Heimat verlassen - und die Behörden können nicht begründen, wozu die Kohle überhaupt verwendet werden soll. In Zeiten der Energiewende sind neue Braunkohletagebau schlicht überflüssig" kommentiert Greenpeace Energie-Experte Gerald Neubauer.

Der Behörde zufolge wird der Tagebau gebraucht, um das Braunkohlekraftwerk Boxberg bis zur Mitte des Jahrhunderts mit Kohle zu versorgen. Boxberg wird zurzeit aus den beiden Tagebauen Nochten I und Reichwalde versorgt. In diesen schon genehmigten Tagebauen hat Vattenfall aber noch 680 Milliionen Tonnen Braunkohle vorrätig.

Das Kraftwerk Boxberg verbraucht jährlich rund 20 Millionen Tonnen Braunkohle - mit sinkender Tendenz, weil alte Blöcke vom Netz gehen und die erneuerbaren Energien immer mehr Strom liefern. Die Vorräte in den genehmigten Tagebauen sind also mehr als ausreichend, um das Kraftwerk Boxberg zu versorgen.

Angesichts der mangelhaften Begründung für den Tagebau kippt inzwischen auch die Stimmung bei der lokalen Bevölkerung. Vattenfall und einige Lokalpolitiker wollen zwar den Eindruck erwecken, dass die Bürger mit ihrer Umsiedlung einverstanden sind. Doch bei der Erörterung kam zutage, dass sich viele Bürger gegen die Umsiedlung stellen. So haben sich die betroffene Gemeinde Schleife und der Ort Rohne offiziell gegen eine Umsiedlung ausgesprochen.

Greenpeace kritisierte bei der Erörterung außerdem die massiven Auswirkungen eines neuen Tagebaus auf die Trinkwasserversorgung. Denn die Lausitzer Tagebaue belasten das Grundwasser durch Pyritverwitterung mit Eisen und Sulfaten.

Besonders der Tagebau Nochten gilt als größte Sulfatquelle im Einzugsgebiet der Spree, aus der Berlin große Teile Brandenburgs ihr Trinkwasser gewinnen. "Der neue Tagebau Nochten II ist ein Desaster für Mensch und Natur" erklärt Gerald Neubauer. "Die Behörden müssen das Braunkohleplanverfahren unverzüglich einstellen."

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