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Marsden B - jeder Sieg für den Klimaschutz zählt

Auf der anderen Seite der Welt machen sie uns vor, wie Entscheidungen für den Klimaschutz aussehen können: Der neuseeländische Energiekonzern Mighty River Power verzichtet auf die Inbetriebnahme von Marsden B, des ersten großen neuseeländischen Kohlekraftwerks seit 30 Jahren. Für den Verzicht haben Bürger, lokale Umweltgruppen und Greenpeace zwei Jahre lang gekämpft.

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Aktionen am Kraftwerk, Protestmärsche, die Initiative Surfer gegen Schwefel, öffentliche Treffen, neu gegründete Umweltgruppen, Autoaufkleber, Piratenrundfunk... Der Kampf gegen die Wiederbelebung des ausgedienten Kohlemonsters Marsden ist mit Fantasie und Energie geführt worden. In der Region um Whangarei an der Nordostküste der Nordinsel ist der Jubel über den Erfolg entsprechend groß.

Das ist ein großer Gewinn für das Klima und für Tausende von Kiwis, die sich Marsden B widersetzt haben, freut sich Greenpeace-Klimaexpertin Vanessa Atkinson. Die Entscheidung von Mighty River Power ist ein weiterer Sargnagel für die Kohle. Neuseelands Energiezukunft liegt in erneuerbarer Energie, nicht in fossilen Brennstoffen.

Den Klimawandel zu begrenzen, ist die größte Herausforderung, der sich die Welt zu stellen hat. Viel Zeit hat sie nicht mehr, um die schlimmsten Folgen zu verhindern. Vor allem die Industrieländer, hauptverantwortlich für die globale Erwärmung, sind jetzt gefragt. Sie müssen im Klimaschutz vorangehen - ob es EU-Staaten wie Deutschland sind, die CO2-Schleuder USA oder eben Neuseeland.

Der Sieg über Marsden B kommt dort im richtigen Moment. Die neuseeländische Regierung entwickelt derzeit eine neue Strategie zur Energieversorgung und zum Klimaschutz. Sie hat somit die Chance, jetzt die Weichen für die Energie der Zukunft zu stellen. Greenpeace fordert die Verantwortlichen auf, umgehend den Ausstieg aus der Kohle einzuleiten.

Die Voraussetzungen für einen kompletten Umstieg auf erneuerbare Energiequellen bis 2025 sind günstig. Derzeit gewinnt Neuseeland rund 65 Prozent seines Stroms mit Wasserkraft, Gaskraftwerke produzieren 16 Prozent. Knapp zehn Prozent des Stroms werden mit Kohle erzeugt, überwiegend einheimischer Braunkohle mit hohem Schwefelgehalt.

Doch die klimatischen und geografischen Bedingungen geben Besseres her - und davon viel. So wird der kräftige Wind, der in Neuseeland bläst, noch kaum genutzt. Er ist mit gerade mal einem Prozent an der Stromerzeugung beteiligt. Auch die Geothermie könnte eine größere Rolle übernehmen. Noch steckt sie mit sechseinhalb Prozent Anteil in den Kinderschuhen.

Nicht zuletzt gilt für Neuseeland wie für Deutschland: Es wird viel zu viel Energie vergeudet. Maßnahmen zur Energieeffizienz sind deshalb unverzichtbar. Vor allem aber müssen die Verantwortlichen begreifen, dass sie nicht länger nur über Klimaschutz reden dürfen.

An der Entscheidung gegen Marsden B kann sich die zähe deutsche Kohlelobby in Politik und Wirtschaft ein Beispiel nehmen. In Neurath bei Neuss plant der Energiekonzern RWE - jetzt schon Europas größter CO2-Produzent - den Bau von zwei neuen Braunkohleblöcken. Sie werden zusätzlich 14 Millionen Tonnen Kohlendioxid jährlich in die Luft blasen.

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Der Klimawandel ist in vollem Gange und zum größten Teil vom Menschen gemacht. Deshalb kann auch der Mensch etwas tun um den Klimawandel noch aufzuhalten.
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