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Kohlekraftwerk Kingsnorth: Greenpeace kam um Mitternacht

Protest im Hafen von Kingsnorth/Kent. Britische Greenpeace-Aktivist/innen haben kurz nach Mitternacht einen Kohlefrachter erklommen und sich dort festgekettet. Andere schwammen vor den Bug des Frachters, um ihn zu stoppen. Ihr Protest richtet sich gegen das umstrittene E.ON-Kohlekraftwerk Kingsnorth.

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Die Szenerie muss dramatisch gewesen sein. Es ist kurz nach Mitternacht. Im Schein von Fackeln nähern sich Schlauchboote in Hochgeschwindigkeit dem Frachter, der auf den Hafen zufährt. Kletterer befestigen Strickleitern und steigen die 15 Meter hohe Bordwand hinauf. Neun Leuten gelingt es, an Bord zu kommen. Die einen erklimmen den Schlot mit dem Schriftzug E.ON darauf, andere den hoch aufragenden Vormast.

Unten springen derweil drei Greenpeace-Aktivistinnen ins eiskalte Wasser des Medway und schwimmen vor den Bug des riesigen Frachters. Die Kohle soll nicht nach Kingsnorth kommen. Sie soll das Klima nicht schädigen.

Eine der Schwimmerinnen ist Emma Gibson. Die Greenpeace-Aktivistin lebt mit ihrer Familie in der Gegend von Kingsnorth. Jede Tonne Kohle zählt und das E.ON-Schiff liefert genug, um zehntausende Tonnen CO2 in die Atmosphäre zu blasen. Solange die Stromkonzerne weiter so viel Kohle verbrennen dürfen, können wir den Klimawandel nicht stoppen.

Gibson ist beunruhigt über das Ausmaß des Problems, mit dem ihre Kinder konfrontiert sein werden. Es ist unsere Pflicht, der nächsten Generation eine Chance gegen den Klimawandel zu geben. Deshalb werfe ich mich selber diesem Schiff entgegen.

E.ON will nahe dem alten Kraftwerk Kingsnorth ein weiteres Kohlekraftwerk bauen. Im Januar 2008 erteilte der Gemeinderat seinen Segen für das 1600-Megawatt-Projekt - den ersten Neubau eines Kohlekraftwerks in Großbritannien seit 35 Jahren. Der Bau soll 2012/2013 fertiggestellt sein. Dann wird die Anlage jährlich etwa sechs Millionen Tonnen CO2 ausstoßen - ein unverantwortliches Vorhaben.

Der Energiekonzern rechtfertigt seine Pläne damit, dass die CCS-Technologie eingesetzt werde. Die Technik des Carbon Capture and Storage, der CO2-Abscheidung und -Speicherung, gibt es aber für Großkraftwerke noch nicht. Sie befindet sich in der Testphase. Experten gehen davon aus, dass sie vor 2020, vielleicht sogar 2030 nicht zur Verfügung stehen wird.

Vorhandene Aspekte:

  • Internationalität
  • Stellvertreterposition
  • direkte Aktion, mutig, kämpferisch
  • glaubwürdig
  • Warum tun wir das?

Was fehlt:

  • Welche Alternativen/welche Lösung bietet Greenpeace an? (Erneuerbare, Energiewende)
  • Was macht Greenpeace, um diese Lösung durchzusetzen (außer Aktionen)?
  • Weitere Aktionen

 

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