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Sieben Kohlekraftwerke weniger

Kohlekraft im Abwärtstrend

Der Bau neuer Kohlekraftwerke stößt überall auf Widerstand. Fünf geplante Kohlekraftwerke wurden 2012 aufgegeben, nur zwei gingen ans Netz. Das verdeutlicht auch die aktualisierte Liste der geplanten und im Bau befindlichen Kohlekraftwerke, die Greenpeace heute veröffentlicht hat.

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Seit 2007 konnte der Bau von 21 neuen Kohlekraftwerken verhindert werden. "Überall wo neue Kohlekraftwerke geplant werden, stoßen diese auf Widerstand aus der Bevölkerung. Die Bürger wollen keine Kohlekraftwerke, die ihre Gesundheit mit Feinstaub, Schwefeldioxid und Schwermetall-Emissionen bedrohen", sagt Gerald Neubauer, Energieexperte von Greenpeace. Das zeigt auch die von Greenpeace veröffentlichte Liste: Die Zahl der geplanten und in Bau befindlichen Kohlekraftwerke in Deutschland ist im Vergleich zum Vorjahr von 24 auf 17 gesunken

Interessant dabei ist, dass sich 15 der 17 verbleibenden Projekte in SPD-regierten Bundesländern befinden. Allein im rot-grün regierten NRW sollen acht Kraftwerke entstehen. "Die SPD stellt sich öffentlich als Klimaschützer dar und setzt gleichzeitig auf neue Kohlekraftwerke - das ist schizophren. Kurs Kohleausstieg - diese Richtung muss Peer Steinbrück seiner Partei vorgeben", fordert Neubauer.

Doch wenn Betreiber Kohlekraftwerke planen, heißt das noch lange nicht, dass sie bald stehen. Acht Kraftwerke sind ohne aktuell laufendes Planungsverfahren oder wurden gerichtlich gestoppt. Nur sechs Kraftwerksprojekte haben eine gültige Genehmigung und werden gebaut. Die restlichen drei befinden sich im laufenden Planungsverfahren.

Viele Investoren ziehen sich aus Kohlekraftwerksprojekten zurück, weil der Boom erneuerbarer Energien die langfristigen Gewinnerwartungen unterminiert. "Die Chancen stehen gut, dass auch 2013 weitere Projekte aufgegeben werden", erwartet Neubauer.

Kohlekraftwerke sind enorme CO2-Schleudern. Über 40 Prozent der deutschen CO2-Emissionen gehen auf die Verbrennung von Steinkohle und Braunkohle zurück. Deshalb kann Deutschland seine ambitionierten Klimaziele nur mit einem Ausstieg aus der Kohleverstromung erreichen.

Im Mai 2012 hatte Greenpeace öffentlich ein Kohleausstiegsgesetz mit einem detaillierten Abschaltplan für Kohlekraftwerke in Deutschland vorgeschlagen. Danach ginge zeitversetzt zum Atomausstieg im Jahr 2030 das letzte Braunkohlekraftwerk, 2040 das letzte Steinkohlekraftwerk vom Netz.

Publikationen

Studie: Kohleausstiegsgesetz

Ein detaillierter Abschaltplan für Kohlekraftwerke in Deutschland: Bis 2030 soll Deutschland das letzte Braunkohlekraftwerk, bis 2040 das letzte Steinkohlekraftwerk abschalten.

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