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Kohleabbau auf Kosten der Bevölkerung und Umwelt

Kohle in Kolumbien: Reichtum zu hohem Preis

Steinkohle aus Kolumbien ist beliebt: Bei deutschen Stromanbietern kommt sie nach den Importen aus Russland gleich an zweiter Stelle - so die Zahlen des Statistischen Bundesamtes seit Sommer. Doch der billige Rohstoff hat seinen Preis: Neben der verheerenden Vernichtung großer Urwaldflächen - die in Catatumbo noch bevorsteht und in anderen Gebieten längst Realität ist - geht der Kohleabbau vor allem auf Kosten der Menschenrechte. Eine Delegation aus Kolumbien hat auf einer Rundreise durch Deutschland auf das Thema aufmerksam gemacht und über die Auswirkungen berichtet.

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Weit mehr als 300 Millionen Tonnen Steinkohle vermutet die kolumbianische Regierung in der Region Catatumbo im Nordosten Kolumbiens: Das größte Vorkommen Lateinamerikas. 90 Prozent der in Kolumbien abgebauten Kohle wird exportiert. Mit hohen Gewinnen für die Energiekonzerne - und auf Kosten der indigenen und kleinbäuerlichen Bevölkerung. Judith Maldonado Mojica ist Menschenrechtsanwältin und unterstützt Kleinbauern und indigene Gemeinschaften der Region, ihre Rechte geltend zu machen. Zusammen mit einer Kollegin, einer Kleinbauernvertreterin und einem Vertreter der Vertriebenenvereinigung folgte sie der Einladung von Brot für die Welt und Misereor nach Deutschland. Auf ihrer Rundreise berichtet die vierköpfige Delegation über die Situation vor Ort.

In Catatumbo kennen die Menschen die Bedrohung, die auf sie zukommt noch gar nicht. Der indigenen und kleinbäuerlichen Bevölkerung ist dies völlig unbekannt, erklärt Frau Maldonado Mojica. Eben weil hier in Deutschland so wenig bekannt ist über den Kohleabbau in Kolumbien, haben sie im Oktober und November 2008 und jetzt auch wieder diese Rundreisen gemacht - um das Thema bekannter zu machen.

Flucht der Bevölkerung

Neben den Minen in China gelten die kolumbianischen Minen als die weltweit gefährlichsten. Doch auch außerhalb der Minen fordert der Kohleabbau seine Opfer: Rund 130.000 Menschen wurden in den vergangenen Jahren aus der Region Catatumbo gewaltsam vertrieben. Die Kleinbauern und die indigene Bevölkerung in Catatumbo wehren sich komplett und radikal gegen Kohleabbau. Das ist für sie keine ökonomische Form, nicht die Basis des Überlebens - sie sind nicht im Bergbau tätig, betont die Anwältin.

Für sie bringt die Kohle Reichtum, der nicht in der Region bleibt - der ihnen also nichts nutzt. Es bringt nur Vertreibung, Gewalt und Zerstörung, sagt Frau Maldonado Mojica. Es gibt auch schon eine historische Erfahrung der Bevölkerung in der Region, insbesondere der indigenen Bevölkerung. Denn vor 60 Jahren wurde dort die Ölförderung angefangen. Für die indigene Bevölkerung resultierte das in 60.000 Toten. Und sie haben 90 Prozent ihres Territoriums verloren.

Zerstörte Wälder, verunreinigtes Wasser

Die Bevölkerung, die in der Region bleibt, ist sogar noch einer weiteren Belastung ausgesetzt: Der zunehmenden Zerstörung ihrer Umwelt. Der Tagebau schlägt regelrechte Schneisen in die Urwälder Kolumbiens. Dazu kommt die Verunreinigung des Wassers. Das für die Reinigung der Kohle verwendete Wasser wird nur unzureichend gereinigt und verseucht das Grundwasser. Aus den Abraumhalden werden bei Regen Schwermetalle ausgewaschen, die ebenfalls die Umwelt verschmutzen. Eine enorme Staubbelastung durch den Abbau und Transport der Kohle ruft bei der Bevölkerung Atemwegs- und Lungenerkrankungen hervor.

Die Erfahrung für die Kleinbauern ist eine ähnliche. In den 60 Jahren, in denen Öl gefördert wurde und es demnach sehr viel Reichtum gab, hat sich die soziale Situation für sie überhaupt nicht verbessert. Es gibt keine Infrastruktur von Straßen und es gibt keine Gesundheitsversorgung, keine Schulbildung für ihre Kinder. Die sind völlig im Stich gelassen worden, völlig marginalisiert.

Kolumbiens Steinkohle in Deutschlands Kraftwerken - Vortrag und Diskussion am 01.12.2010 um 19.00 Uhr im Rudolf-Steiner Haus in Hamburg. Andere Städte und Termine finden Sie hier. Veranstalter: Zukunftsrat Hamburg, die Klima-Allianz, FIAN Deutschland.

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