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Greenpeace warnt RWE vor Fehlinvestitionen

Sie werden sich vielleicht wundern, Greenpeace-Mitarbeiter unter uns Aktionären zu finden - aber ich bin einer. So beginnt die Rede von Greenpeace-Energieexperte Jonas Mey vor der RWE-Hauptversammlung am Donnerstag in Essen. Mey warnt RWE, die Zukunft nicht zu verschlafen: Der Energiekonzern muss in klimafreundliche Erneuerbare Energien statt in neue Braunkohlekraftwerke investieren.

Mit einigen wenigen Aktien in der Tasche ist Greenpeace in Essen dabei. Anlass ist der RWE-Plan, ein neues Braunkohlekraftwerk in Neurath bei Köln zu bauen. Mey warnt RWE-Aktionäre und -Konzernmanagement vor Investitionsruinen: Klimafeindliche Braunkohlekraftwerke sind den Anforderungen einer modernen Energiewirtschaft nicht gewachsen. Sie sind nicht mehr zukunftsfähig. Greenpeace fordert RWE darum auf, in Erneuerbare Energien und klimafreundlichere Gas- und Dampfkraftwerke zu investieren.

Der Anteil an Erneuerbaren Energien am Strommix wird weiter wachsen. Dann braucht unser Energiesystem flexibel regulierbare Kraftwerke, die sich dem schwankenden Strom von Sonne und Wind anpassen können, erklärt Mey. Braunkohlekraftwerke sind nur schwerfällig regulierbar. In einem Energiesystem mit viel Erneuerbaren Energien können sie nicht wirtschaftlich betrieben werden.

Die Bundesregierung strebt bis 2020 einen Anteil von 20 Prozent Erneuerbaren Energien an. Diese reale Entwicklung nicht zu beachten, hält Mey für gefährlich: Gefährlich für die Umwelt und gefährlich für das Wohl derjenigen Aktionäre, die in der RWE-Aktie eine langfristige Anlage sehen. Heute noch zwei Milliarden Euro in das Kraftwerk Neurath zu stecken, heißt, das Geld in den Sand zu setzen.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung sieht bis 2050 allein in Deutschland Klimaschäden von mehr als 137 Milliarden Euro voraus. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Regierungen und Versicherungsgesellschaften die Kosten für Klimaschäden nicht mehr tragen wollen und Verursacher wie RWE zur Kasse bitten werden, so Mey in seiner Rede.

Er appelliert an den Vorstandsvorsitzenden von RWE, Harry Roels, im Sinne einer stabilen und vorausschauenden Finanzplanung in Erneuerbare Energien und klimafreundlichere Gas- und Dampfkraftwerke zu investieren: Das sind Sie nicht nur der Umwelt, das sind Sie vor allem Ihren Aktionären schuldig.

Damit der Appell nicht so schnell in Vergessenheit gerät, erhält Roels zum Abschluss der Rede ein kleines Geschenk: einen gold-schwarzen Kugelschreiber mit der Inschrift Die Braunkohle liegt hinter uns. Eine Anspielung auf eine Werbekampagne der RWE-Tochter RAG (ehemals Ruhrkohle AG) mit dem Slogan Die Zukunft ist schon lange unter uns.

Mey: Damit kann Herr Roels nun wegweisende Entscheidungen in Richtung einer umwelt- und finanzfreundlichen Energiepolitik seines Hauses unterschreiben.

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