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Garzweiler-Kläger: "Tiefgreifender, emotionaler Verlust"

Erkelenz/Karlsruhe (dpa) - Stephan Pütz kämpft als einziger Privatmann juristisch gegen den Braunkohletagebau Garzweiler II. Seine betagten Eltern wurden durch den Tagebau vertrieben, das Dorf ist mittlerweile «vernichtet», wie Pütz es ausdrückt. Der 50-Jährige will nicht aus Erkelenz-Immerath weichen, ging 15 Jahre lang durch die Instanzen und klagt in Karlsruhe sein Grundrecht auf Heimat ein. Das Bundesverfassungsgericht wird am Dienstag (17.12.) das Urteil sprechen und dabei auch über die Klage des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) entscheiden.

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dpa Herr Pütz, was machen Sie, wenn Garzweiler gestoppt wird?

Stephan Pütz: Dann freue ich mich. Dann bleibe ich in Immerath.

dpa: Fühlen Sie sich denn noch wohl? Die meisten Leute sind ja längst weg.

Stephan Pütz: Es ist weiterhin mein Heimatort. Der Ort, in dem ich großgeworden bin, ist durch Garzweiler vernichtet worden. In Immerath bin ich verwurzelt.

dpa: War das auch der Grund, nicht aufzugeben?

Stephan Pütz: Wenn die Heimat so wichtig ist - und ich finde, es ist wichtig, da wohnen zu dürfen, wo man sich niedergelassen hat, und sich nicht einfach in der Gegend rumschubsen lassen zu müssen - muss man sich fragen: Wozu gibt es eine Verfassung? Wenn es sich nicht lohnt, die Verfassung dafür in Anspruch zu nehmen, für was denn dann? Die Umsiedlung ist ein einschneidender, tiefgreifender emotionaler Verlust. Ich lass' mir nicht einfach etwas wegnehmen.

dpa: Können Sie sich denn vorstellen, dass Leute wieder zurückkommen, falls der Tagebau gestoppt wird?

Stephan Pütz: Der eine oder andere mag dabei sein. In der Masse, da glaube ich nicht dran. Der Ort hat eine attraktive Lage und ich glaube nicht, dass er über einen längeren Zeitraum leerstehen wird. Da werden Menschen hinziehen aus anderen Gegenden oder der Umgebung.

dpa: Was sagt Ihr Bauchgefühl vor dem Urteil am Dienstag?

Stephan Pütz: Vom Bauchgefühl denke ich, dass sich etwas zum Positiven wenden wird.

dpa: Und wenn das Urteil nur den Umsiedlern in Zukunft eine Verbesserung bringt?

Stephan Pütz: Dann würde mich das unendlich freuen.

Quelle: Elke Silberer/dpa

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