Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Fossiles Denken fördert fossile Energien

Die EU verschleudert Milliarden von Euro für Kohle- und Atomsubventionen. Das belegt eine neue Greenpeace-Studie. Das EU-Parlament hat die EU-Kommission erst am Donnerstag einstimmig aufgefordert, die Vergabe öffentlicher Gelder für den Energiesektor zu überdenken. Bis 2020 sollten 20 Prozent der EU-weit erzeugten Energie aus erneuerbaren Energiequellen stammen.

Die eine Realität: Geldschwemme für Kohle und Atom

Fördert die EU Nachhaltigkeit oder Umweltverschmutzung? So lautet der Untertitel der neuen, von Greenpeace in Auftrag gegebenen Studie The EU's Energy Support Programmes (Die Programme der EU zur Förderung der Energiewirtschaft). Die Antwort bislang:

  • Rund 60 Milliarden Euro sind in den letzten drei Jahrzehnten in die Erforschung und Entwicklung atomarer Technologien geflossen. Im letzten Forschungsrahmenprogramm der EU wurden für Atomtechnologien 1,2 Milliarden Euro bereitgestellt, für erneuerbare Energien dagegen 390 Millionen.
  • Mit rund 3,2 Milliarden Euro hat die Atomindustrie seit 1977 von zinsgünstigen Krediten profitiert, die ihr durch den alten Euratom-Vertrag vom März 1957 garantiert werden.
  • Mehr als 60 Milliarden Euro für die Kohleindustrie aus den Staatssäckeln der Mitgliedsländer hat die EU-Kommission seit 1994 gebilligt. Allein in Deutschland hat die Kohleindustrie von 1970 bis 2003 rund 120 Milliarden Euro aus Steuergeldern kassiert.
  • Kredite in Höhe von 18 Milliarden Euro hat die Europäische Investmentbank zwischen 1990 und 2003 für Energieprojekte vergeben. Davon entfielen 323 Millionen auf klimafreundliche erneuerbare Energien (ohne Wasserkraft). Milliarden von Euro sind zusätzlich über Strukturfonds und Beihilfen in groß angelegte Kohle- und Atomprojekte geflossen.

Die andere Realität

Weltweit werden die Auswirkungen des Klimawandels immer spürbarer. Gletscherschmelze, ungewöhnlich heftige Regenfälle, Überschwemmungen und Dürren nehmen zu. An den Folgen sterben laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) schon jetzt jährlich weit über hunderttausend Menschen.

Zur anderen Realität gehört auch das ungelöste Problem der Atommüll-Entsorgung. Immer mehr gefährlicher radioaktiver Abfall wird erzeugt, zwecks Wiederaufarbeitung per Bahn und LKW tausende Kilometer durch die Lande gefahren und wieder zurückverfrachtet. Ein sicheres Endlager für die unselige Hinterlassenschaft gibt es nirgendwo auf der Welt.

Und Deutschland?

Noch ein Blick nach Deutschland: 60 Prozent unserer Forschungsgelder fließen in die Atomkraft. Zugleich werden die Forschungsgelder für regenerative Energien gekürzt. Bis 2012 sollen noch 16 Milliarden Euro in die Subventionierung der klimaschädlichen deutschen Steinkohle gepumpt werden.

Fazit: Nicht nur das jüngste Debakel um die Verteilung der Emissionszertifikate zeigt, dass wir von einer wirklichen Energiewende noch weit entfernt sind. In Deutschland und in der EU.

Lesen Sie die vollständige Studie "The EU's Energy Support Programmes. Promoting Sustainability or Pollution" von Antony Froggatt (PDF, 347 kB, leider nur in englisch).

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Total-Ausfall

Ein Meilenstein zum Schutz des einzigartigen Amazonasriffs: Der Konzern Total darf in dem Gebiet nicht nach Öl bohren. Vor Ausbeutung sicher ist das Riff damit aber noch nicht.

Auf den rechten Weg

Eigentlich sollte die Kohlekommission in dieser Woche ihre Ergebnisse vorlegen, nun verzögert sich der Zeitplan. Greenpeace-Aktivisten protestierten: Schließlich drängt die Zeit.

Sicherheit ist Pflicht

Brandenburg und Sachsen müssen vom Energiekonzern LEAG Sicherheiten verlangen für die Kosten von Braunkohletagebau-Renaturierungen. Das zeigt ein Rechtsgutachten.