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Braunkohle: Anhörung zu weiterem Tagebau

Die kommenden Tage sind zentral für die Zukunft der Lausitz. Die am heutigen Dienstag beginnende Anhörung zum geplanten Tagebau Welzow-Süd II wird mitentscheiden, ob die Region sich weiter an die klima- und gesundheitsschädliche Braunkohle klammert - oder ob Brandenburg endlich beginnt, die Energiewende aktiv mitzugestalten.

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Die Zahl ist überwältigend: Mehr als 120.000 Menschen haben sich schriftlich gegen den von Vattenfall geplanten weiteren Tagebau Welzow-Süd II bei Cottbus ausgesprochen. Zur ersten Anhörung im Jahr zuvor waren lediglich 5.000 Einwendungen bei der Behörde eingegangen. Immer mehr Menschen wollen nicht länger akzeptieren, dass in Deutschland trotz Energiewende noch immer mehr klimaschädliche Braunkohle verfeuert wird, als in jedem anderen Land der Welt. Sie haben gute Argumente:

Braunkohle ist der klimaschädlichste aller Energieträger

Für die Produktion einer Kilowattstunde entsteht in einem Braunkohlekraftwerk zwei Mal mehr CO2 als in einem Gaskraftwerk – mindestens! Die etwa 200 Millionen Tonnen Braunkohle, die Vattenfall in Welzow-Süd II aus dem Lausitzer Boden baggern möchte, würden bei ihrer Verbrennung 200 Millionen Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid entstehen lassen. Alleine das Kraftwerk Jänschwalde, das auch mit Braunkohle aus dem geplanten Tagebau befeuert werden soll, gehört zu den schlimmsten Klimakillern Europas. Jährlich produziert Jänschwalde 24 Millionen Tonnen CO2.

Die Energiewende macht Braunkohle mittelfristig überflüssig

In Vattenfalls fünf bereits genehmigten Tagebauen in der Lausitz liegen heute noch mehr als eine Milliarde Tonnen Braunkohle. Damit können die bestehenden Vattenfall-Kraftwerke in der Region bis zum Jahr 2030 betrieben werden. Danach wird ihr Strom nicht mehr benötigt. Schon heute wird ein Viertel des deutschen Energiebedarfs von sauberen Windkraft- und Solaranlagen produziert. Nach der in Deutschland beschlossenen Energiewende wird dieser Anteil kontinuierlich weiter steigen und entsprechend Strom aus schmutzigen fossilen Kraftwerken überflüssig machen.

Umsiedlungen sind nicht zumutbar

Alleine für den geplanten Tagebau Welzow-Süd II müssten 800 Menschen umgesiedelt werden – die meisten gegen ihren Willen. Die drei laufenden Braunkohlepläne in der Lausitz würden fast 3.500 Menschen ihre Heimat nehmen. Dörfer und Felder, Wälder und Seen würden abgebaggert werden. Die nach dem Schließen der Tagebaue entstehenden Kippenböden sind kein Ersatz für Landwirte. Es dauert Hunderte von Jahren, bis sie wieder so fruchtbar wie zuvor werden. Ob Enteignung für Tagebaue rechtens sind oder es ein Recht auf Heimat gibt, entscheidet am 17. Dezember das Bundesverfassungsgericht.

Tagebaue verschmutzen Flüsse und Seen mit Ansage

Der Tagebau Welzow-Süd II würde nicht nur das Klima massiv schädigen, sondern auch die umliegenden Gewässer. Beim Abbau oxidiert das natürlich im Boden vorkommende Eisenpyrit zu Schwefelsäure und Eisenhydroxid. Mit dem wiederansteigenden Grundwasser nach dem Schließen der Kippe werden diese Stoffe später ins Grundwasser und somit in die Flüsse und Seen gespült. Die Folgen haben schon heute unter dem Begriff Verockerung traurige Berühmtheit erlangt: Flüsse färben sich rostbraun und versauern, die Ökosystem nimmt schweren Schaden oder stirb komplett ab. Bislang finden sich in den Planungen für Welzow-Süd II keine Maßnahmen die verhindern würden, dass nach dem Schließen des Tagebaus eben dies wieder passieren wird.

Braunkohle schadet der Gesundheit

Sowohl der Abbau als auch die Verbrennung von Braunkohle sind in hohem Maße gesundheitsschädlich. In der Nähe der Tagebau gehen große Mengen Staub nieder. Die Schlote der Braunkohlekraftwerke verteilen weiträumig Feinstaub, Schwefeldioxid und Stickoxide. Dazu werden giftige Schwermetalle wie Quecksilber, Blei und Arsen freigesetzt. All diese Stoffe erhöhen die Sterblichkeit, fördern Asthma, Lungenkrebs und Herzkreislaufbeschwerden.

Deshalb fordert Greenpeace:

  • Das Planverfahren zu Welzow-Süd II muss sofort eingestellt werden
  • Es dürfen keine weiteren Tagebaue mehr genehmigt werden
  • Deutschland muss einen Braunkohleausstieg bis zum Jahr 2030 beschließen
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