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Neuer Report: Investitionen in Solar verdoppeln

Greenpeace International hat in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Industrieverband Photovoltaik (EPIA) die neue Studie "Solar Generation 6" veröffentlicht. Der Titel ist Programm: Solarstrom wird in den nachkommenden Generationen als Energieträger eine große Rolle spielen. Welchen Beitrag die Photovoltaik-Technologie mit den nötigen Investitionen für Europa und Deutschland leisten kann, erklärt Sven Teske, Energieexperte bei Greenpeace, im Interview.

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Greenpeace-Online: Sven, der neue Greenpeace-Report Solar Generation 6 schlägt eine Verdoppelung der Solar-Investitionen von aktuell knapp 40 Milliarden auf 70 Milliarden Euro bis 2015 vor. Was ist euer Ziel?

Sven Teske: Solar-Photovoltaik (PV) ist eine Schlüsseltechnologie im Kampf gegen den Klimawandel. Wir wollen sie als eine wirtschaftliche Energiequelle etablieren - mit politischer Unterstützung und mit angemessenen Kosten für die Verbraucher. Die nächste Zielmarke ist die Integration des Ersatzstroms. Der kommt zum Einsatz, wenn die Anlage auf dem Dach gerade nicht produziert. Wir sichern die Energieversorgung Europas, indem wir uns aus der Abhängigkeit von Importen lösen.

Greenpeace-Online: Solarstrom sei an der Schwelle des wirtschaftlichen Durchbruchs, so die Botschaft des neuen Reports. Es gibt gerade in Deutschland Stimmen, die behaupten, Solarstrom mache den Strom zu teuer. Was ist dran an deren Forderung, den Ausbau unbedingt zu deckeln?

Sven Teske: Ende 2012 werden der PV-Stromerzeugungspreis und der Haushaltsstrompreis auf etwa gleicher Höhe liegen. Das nennen wir Netzparität. Ökostrom 2.0 bedeutet in wenigen Jahren, dass das Kraftwerk zum Kunden kommt. Dafür müssen noch einige Netz- und Strommanagementfragen gelöst werden. Aber in naher Zukunft wird Solarstrom helfen, Kosten zu reduzieren - dann sinken auch die Kosten für den Verbraucher.

Greenpeace-Online: Welche Schritte sind nötig, damit Solarstrom in Europa mit konventionellem Strom preislich konkurrieren kann?

Sven Teske: Wir brauchen weiterhin in jedem Land ein langfristiges Einspeise-Gesetz, das die Mindestvergütung sichert. Die kann in einigen Jahren möglicherweise sogar unter dem Haushaltsstrompreis liegen. Wichtig ist zudem eine Abnahmegarantie für den gesamten erzeugten Strom über zwanzig Jahre.

Greenpeace-Online: Die neue Studie rechnet vor, dass die europäische Solarbranche bis 2015 Jobs für 600.000 Menschen bereitstellen könnte - mehr als doppelt so viel wie aktuell. Wie wirkt sich die Konkurrenz durch Billiganbieter aus Asien aus?

Sven Teske: Über achtzig Prozent der Arbeitsplätze werden mittelfristig vor allem bei Projektierung, Installation, Wartung und Betrieb entstehen. Anders sieht es im Bereich Produktion aus: Massenproduktion drückt den Preis und schafft mehr automatisierte Fertigung. Diese Fertigungsmaschinen - die jetzt vor allem in Asien stehen - sind größtenteils Made in Germany. Auch das bringt Arbeitsplätze! Trotzdem müssen die Fertigungen in Deutschland erhalten bleiben - dafür setzen wir uns ein.

Greenpeace-Online: Entgegen der Greenpeace-Empfehlung zu neuen Investitionen will Deutschland die Fördermittel auf bis zu 15 Prozent kürzen. Was bedeutet das für den deutschen Markt, der aktuell Vorreiter ist?

Sven Teske: Eine schrittweise und maßvolle Kürzung der Einspeise-Vergütung ist in Ordnung. Mehr als die heute beschlossene Kürzung darf es allerdings auf keinen Fall geben.

Greenpeace-Online: Vielen Dank, Sven.

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