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Dena-Studie gibt Signal pro Windenergie

An Technologie und Geld fehlt es nicht: Bis 2015 können 15 Prozent des Stroms in Deutschland aus klimafreundlicher Windenergie stammen. Das geht aus der Dena-Studie hervor, die nach Verzögerungen am Donnerstag in Berlin erschienen ist. Greenpeace begrüßt das Signal aus dem Hause der Deutschen Energieagentur (Dena).

Der Weg zu diesem Signal war steinig: An der Studie waren Vertreter der Windenergiewirtschaft ebenso beteiligt wie Vertreter der großen Energiekonzerne. Doch die deutschen Stromriesen, die den weitaus größten Teil der Netze betreiben, betrachten die Erneuerbaren Energien als Konkurrenz zu ihren Kohle- und Atomkraftwerken. Kontroverse Diskussionen waren zu erwarten.

Die Veröffentlichung der Studie war ursprünglich für den 19. Januar 2005 geplant. Zwei Tage vorher ließen zwei der beteiligten Parteien den Termin platzen. Sowohl der Bundesverband der Windenergie (BWE) als auch der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) weigerten sich, die zu dieser Zeit vorliegende Fassung mitzutragen.

Der Grund: Die Stromkonzerne versuchten den Anschein zu erwecken, die Studie belege unüberbrückbare technische und finanzielle Hürden, die dem Ausbau der Windenergie entgegenstünden. So ging es auch weiter: Am 25. Januar hat E.ON auf der vierten Nationalen Maritimen Konferenz in Bremen vorab Zahlen aus der Studie benutzt und diese so aus dem Zusammenhang gerissen, dass der Eindruck einer schwer zu tragenden Mehrbelastung entstand.

Richtig ist: Um die Menge des Stroms aus Windkraftanlagen bis 2015 aufnehmen zu können, muss das deutsche Stromnetz um 850 Kilometer erweitert werden. Das sind fünf Prozent der derzeitigen Gesamtlänge. Es bedeutet Investitionen von durchschnittlich 100 Millionen Euro pro Jahr - ein Zwanzigstel dessen, was die Netzbetreiber derzeit nach eigenen Angaben jährlich in ihre Netze investieren.

Jahrelang haben RWE, E.ON und Co. die Windkraft nicht als notwendige Ergänzung sondern als Störfaktor behandelt. Damit haben sie wertvolle Zeit für die Anpassung der Netze an die neue Situation verschlafen, ärgert sich Jörg Feddern, Energieexperte bei Greenpeace. Wenn die Energieversorger genauso viele Aktivitäten bei der Modernisierung und Anpassung des Stromnetzes entwickelt hätten wie beim Aufzählen möglicher Probleme, wären wir schon einen großen Schritt weiter.

Auch die vieldiskutierte Sicherheit der Stromversorgung wird sich laut Studie bis zum Jahr 2015 allein durch den Zubau von modernen Windkraftanlagen verbessern. Darüber hinaus wirkt sich der beschlossene Ausstieg aus der Atomenergie positiv aus. Er bietet die Chance, den Kraftwerkspark mit klimafreundlichen, flexibel regelbaren Gas- und Dampfturbinenkraftwerken zu modernisieren.

Greenpeace fordert angesichts des Klimawandels einen zügigen Ausbau der Erneuerbaren Energien. Bis 2050 sollen 50 Prozent und bis 2100 der gesamte Energiebedarf aus Sonne, Wind, Wasser, Biomasse und Geothermie gedeckt werden.

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