Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Erneuerbare Energien: 20 Prozent bis 2020!

Es geht um nichts Geringeres als die Zukunft der Energiepolitik in Europa. Doch aus den Hauptstädten werden Vertreter aus der zweiten oder dritten Reihe entsandt. Das hält Greenpeacer jedoch nicht davon ab, mit einer Aktion den Politikern einen Wink zu geben, wo es langgehen muss. So geschehen am Montag in Berlin bei der Eröffnung der Europäischen Konferenz für Erneuerbare Energien.

Noch vor dem morgendlichen Beginn der Konferenz waren rund 60 Greenpeace-Aktivisten vor dem Berliner Congress Centrum nahe dem Alexanderplatz mit einem Sattelschlepper vorgefahren. Auf der Ladefläche: ein 20 Meter langes und zwei Tonnen schweres Rotorblatt einer Windkraftanlage. Das stellten sie vor dem Tagunsort ab.

Auf Transparenten und Schildern forderten die Aktivisten: Europa braucht ein Ziel für saubere Energie! 20 Prozent bis 2020. Dazu erklärt Sven Teske, Energieexperte bei Greenpeace: Diese Konferenz bietet eine große Chance für den Schutz des Klimas. Wenn sich Europa jetzt auf fortschrittliche Ziele für Erneuerbare Energien einigt, ist das ein wichtiger Schritt zum internationalen Solargipfel in Bonn.

Delegierte aus den neuen und alten EU-Mitgliedsländern sollten auf dem dreitägigen Treffen in Berlin unter der Schirmherrschaft von EU-Energiekommissarin Loyola de Palacio und Bundesumweltminister Jürgen Trittin über die zukünftige Energiepolitik in Europa verhandeln. Während Trittin am Montag als einziger Spitzenpolitiker ein kurzes Stelldichein gab, hatte de Palacio kurzfristig abgesagt.

Um das Klimaschutzabkommen von Kyoto zu erfüllen, hat die EU bereits festgelegt, Erneuerbare Energien auf einen Anteil von 12,5 Prozent an der Strom- und Wärmeerzeugung zu heben. Dieses Ziel soll bis 2012 erreicht werden. Das hält Greenpeace für zu kurz gedacht, denn ein Anstieg auf 20 Prozent, allerdings bis zum Jahre 2020, ist technisch machbar.

Die EU-Länder dürfen sich nicht dem Druck der Energiekommissarin Loyola de Palacio beugen, warnt Teske. Sie redet der Kohle- und Atomlobby nach dem Mund und tut alles, um Erneuerbare Energien aufzuhalten.

Mit der Tagung in Berlin bereiten sich die Regierungen auf die Internationale Konferenz für Erneuerbare Energien vor, die so genannte Renewables 2004, die von 1. bis 4. Juni in Bonn stattfinden wird.

Da es im September 2002 auf dem UN-Gipfel in Johannesburg nicht zu einer Einigung gekommen war, hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder nach Bonn zur Renewables 2004 eingeladen. Bei dem jetzt stattfindenden Vorbereitungstreffen kommt einer Einigung - welches Ziel bis zum Jahr 2020 erreicht werden soll - eine herausragende Bedeutung zu.

Inzwischen haben sich mehr als 80 Länder zu dem internationalen Gipfel angemeldet. Ein gemeinsames Ziel für die Industriestaaten Europas hätte eine wichtige Vorbildfunktion für andere teilnehmende Länder. (mir)

Weiterführende Publikationen zum Thema

Bilanztricks bei der LEAG

Die Zahlen sind alarmierend: dem Lausitzer Braunkohlekonzern LEAG fehlen Milliarden für die Renaturierung. Zu diesem Schluss kommen die Wirtschaftsprüfer von Cordes + Partner in einer von Greenpeace beauftragten Stellungnahme.

Mehr zum Thema

Es geht um alles

Anders als bislang angenommen hat eine Erderhitzung von zwei Grad bereits katastrophale Auswirkungen. Der Weltklimarat fordert, den Temperaturanstieg bei 1,5 Grad zu stoppen.

Zehntausende stehen zusammen

Es ist die bislang größte Anti-Kohle-Demo im Rheinischen Revier: Zehntausende protestieren am Hambacher Wald für Klimaschutz – und feiern den vorläufigen Rodungsstopp.

Der Wald bleibt – vorerst

RWE darf im Hambacher Wald nicht roden, entschied das Oberverwaltungsgericht Münster in einem Eilbeschluss. Bis zur endgültigen Entscheidung könnte es Jahre dauern.