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Beluga II startet Infotour gegen Kohlekraftwerke

Mit einer Diaprojektion am Kraftwerksstandort Hamburg-Moorburg hat Greenpeace in der Nacht zum Freitag eine Informationstour der Beluga II eingeleitet. Die Beluga wird in den nächsten Wochen auf deutschen Flüssen sowie an der Nord- und Ostseeküste über geplante neue Steinkohlekraftwerke informieren. Ihr erster Halt in Moorburg gilt Plänen des Stromversorgers Vattenfall. Er will dort ein Kohlekraftwerk bauen, das mehr als neun Millionen Tonnen CO2 im Jahr ausstoßen wird. Das entspricht den energiebedingten CO2-Emissionen ganz Boliviens.

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Der Bau neuer Kohlekraftwerke ist mit den deutschen Klimaschutzzielen unvereinbar, erklärt Karsten Smid, Klimaexperte von Greenpeace. Eine solche Anlage läuft 40 bis 50 Jahre lang. Wer heute weiter auf Kohle setzt, zementiert bis ins Jahr 2050 eine klimaschädliche und nicht zukunftsfähige Energieversorgung.

Das geplante Kohlekraftwerk Moorburg ist nicht nur überdimensioniert. Es hat auch einen schlechteren Gesamtwirkungsgrad als das 50 Jahre alte Kraftwerk Wedel, das es ersetzen soll. Greenpeace sammelt auf der Beluga Unterschriften für eine Volkspetition gegen das unsinnige Projekt.

Die Beluga II wird im August in den Häfen von sechs Städten anlegen, die als Standorte für neue Kohlekraftwerke vorgesehen sind. Aktuell ist bis 2012 der Bau von 27 neuen Kohlekraftwerken mit einer Kapazität von 25.000 Megawatt in Planung. Sie werden für die kommenden Jahrzehnte die Atmosphäre jährlich mit zusätzlichen 147 Millionen Tonnen CO2 belasten.

Mit einem 7,50 mal 7,50 Meter großen Transparent Keine neuen Kohlekraftwerke - Klimaschutz geht anders! protestiert Greenpeace auf der Beluga gegen diese Baupläne. Sie dürfen in dieser Form nicht verwirklicht werden.

Greenpeace setzt stattdessen auf kleine dezentrale Kraftwerke, bei denen die Wärme durch die sogenannte KWK-Technik ausgekoppelt wird. Damit entspricht ein Kraftwerk höchsten Effizienzkriterien. In der Praxis werden aber viel zu viele Anlagen geplant, und einzelne Kraftwerke sind überdimensioniert. Daher fordert Greenpeace, bei der Planung dem Klimaschutz absoluten Vorrang einzuräumen.

Für Interessierte: Tourdaten der Beluga

Die Beluga wird für Besucher in den Häfen geöffnet sein. Sie können sich auf dem Schiff auf einer Ausstellung, Vorträgen sowie Filmvorführungen über die Auswirkungen von Kohlekraftwerken auf das Klima und Alternativen bei der Stromerzeugung informieren.

Bis Sonntag liegt das Schiff an den Hamburger Landungsbrücken zwischen Brücke 8 und 9. Für Besucher ist es ab 12 Uhr geöffnet. Am Samstag und Sonntag um 20:15 Uhr wird an Brücke 10 der Al-Gore-Klimafilm Eine unbequeme Wahrheit in einer Open-Air-Vorführung gezeigt. Als Leinwand dient ein Transparent zwischen den Schiffsmasten. Ab 3. August liegt die Beluga in Kiel.

Als weitere Stationen sind vorgesehen: Rendsburg (7. August), Wilhelmshaven (11. und 12. August), Bremerhaven (13. und 14. August) und Bremen (18. und 19. August). Am 22. August wird die Beluga in Oldenburg liegen, vom 24. bis 26. August in Dörpen. Da hier die Liegeplätze noch nicht feststehen, können wir für Oldenburg und Dörpen derzeit keine Open-Boat-Termine angeben.

Das Greenpeace-Schiff Beluga II ist ein neu gebauter Klipper. Dieser Schiffstyp wurde vor rund 200 Jahren in den Niederlanden entwickelt. Die Beluga ist speziell als kombiniertes Fluss- und Küstenschiff konzipiert.

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