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Zwischenlager Gorleben nicht sicher vor Terror

Das niedersächsische Umweltministerium hat einen Rückzieher gemacht. Greenpeace darf die Akten zu den Messwerten am Zwischenlager Gorleben nun doch nicht einsehen - auch nicht teilweise, wie zuvor genehmigt. Grund: Die sogenannte Kartoffelscheune ist nicht vor Terroranschlägen geschützt.

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Es lägen neuere Erkenntnisse über Tatmittel und Täterverhalten vor, schreibt das NMU im Bescheid vom 22.11.2011. Ein Anschlag könnte zur Freisetzung von großen Mengen radioaktiver Stoffe führen. Erforderliche bauliche Sicherheitsmaßnahmen seien aus zeitlichen Gründen noch nicht umgesetzt.

Das NMU gibt zu, dass das Zwischenlager in Gorleben einem Terrorangriff nicht standhalten würde. In dieser Situation einen Castortransport mit hochradioaktivem Müll dorthin rollen zu lassen, ist eine unverantwortliche Gefährdung der betroffenen Bevölkerung, sagt Mathias Edler, Atomexperte von Greenpeace.

Erste Maßnahme: Behälter umstellen

Offenbar müssen auf Anweisung des Bundesumweltministeriums alle Atommüllzwischenlager bautechnisch nachgerüstet werden. Das erfordert Zeit. In einem ersten Schritt mussten daher alle Zwischenlager-Betreiber zunächst die Castorbehälter in ihren Hallen umstellen. Dies soll verhindern, dass Terroristen Kenntnisse von der Lagerbelegung für einen Anschlag nutzen. Im Zwischenlager Gorleben führte die Betreiberin, die Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS), diese Maßnahme im Juni durch.

Trotz besseren Wissens lässt Umweltminister Röttgen diesen Castortransport in ein unsicheres Zwischenlager fahren. Seine Atommüllpolitik ist durch und durch verlogen. Wir fordern den Minister auf, diesen Transport sofort zu stoppen, sagt Edler.

Akteneinsicht nun komplett untersagt

Das NMU hatte Greenpeace am 8. November Zugang zumindest zu einem Teil der Akten zur Umgebungsüberwachung am Zwischenlager Gorleben gewährt. Jetzt wurde der Zugang zu Messdaten und innerbehördlichem Schriftverkehr komplett untersagt.

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