Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Werft EURATOM raus

30 Greenpeace-Aktivisten aus sechs Ländern sind in Brüssel auf das weltbekannte Atomium geklettert, um gegen den Euratom-Vertrag in der neuen EU-Verfassung zu protestieren.

Die Aktivisten entfalteten ein riesiges Transparent mit der Aufschrift „No Nuclear EU Constitution“ („Keine nukleare EU-Verfassung“).

Der Vertrag zur Förderung der Atomkraft (EURATOM) stammt aus dem Jahre 1957 und wurde zusammen mit dem Gründungsvertrag der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) unterzeichnet. In den 45 Jahren seines Bestehens blieb er nahezu unverändert. In seiner Präambel beschreibt er die Kernenergie als "eine unentbehrliche Hilfsquelle für die Entwicklung und Belebung der Wirtschaft und für den friedlichen Fortschritt". Die damals sechs Gründerstaaten bekundeten ihre Entschlossenheit, "die Voraussetzungen für die Entwicklung einer mächtigen Kernenergie zu schaffen, welche (...) zum Wohlstand ihrer Völker beiträgt".

Mittlerweile hat sich das Verständnis von der friedlichen Nutzung der Atomenergie gewandelt, nicht zuletzt durch die Katastrophe von Tschernobyl 1986. Die Mehrheit der heutigen EU-Staaten will aus der gefährlichen und unrentablen Atomwirtschaft aussteigen oder hat dies wie Italien bereits getan. Der Vorstoß des EU-Konventspräsidenten Giscard d'Estaing, den EURATOM-Vertrag der neuen Verfassung beizufügen, mutet vor diesem Hintergrund geradezu anachronistisch an. Ein breites Bündnis deutscher Umweltverbände, zu dem auch Greenpeace gehört, hat gegen den Vorschlag protestiert. (sit)

Wer sich an dem Protest beteiligen möchte, kann dies mit E-Mails an die deutschen Mitglieder des EU-Verfassungskonvents tun: EURATOM-Protestaktion

Publikationen

Factsheet: Atomgemeinschaft Euratom

Einige EU-Mitgliedstaaten planen den überholten europäischen Vertrag zur Förderung der Atomkraft (Euratom) in die zukünftige Verfassung der Europäischen Union hinüberzuretten.
Tags:

Weiterführende Publikationen zum Thema

Report: Unequal Impact

Menschenrechtsverletzungen bei Frauen und Kindern nach dem Atomunfall im Kraftwerk Fukushima Daiichi. Report in englischer Sprache.

Mehr zum Thema

Es ist zwei vor Zwölf

Die UN wollen Atomwaffen verbieten, der Vertrag wird gerade ratifiziert. Nur: die Atommächte machen nicht mit. Ein Interview mit Greenpeace-Experte Heinz Smital und Alexander Lurz.

Sicherheit ist gutes Recht

Frankreichs AKW haben ernste Sicherheitsmängel; darauf machten Greenpeace-Aktivisten mit friedlichem Protest aufmerksam. Ein AKW-Betreiber zog vor Gericht – mit mäßigem Erfolg.

Schlechter Gewinner

Frankreichs Präsident Macron wird für seine Vision Europas mit dem Karlspreis ausgezeichnet. Doch sein Beharren auf Atomkraft verdient keine Würdigung, sagen Greenpeace-Aktivisten.