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Wer glaubt noch an die Sicherheit deutscher AKW?

Erneut sind Sicherheitsmängel in den norddeutschen Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel gefunden und gemeldet worden. Beide AKW sind zurzeit abgeschaltet und werden eingehend untersucht. Dabei fand man in Brunsbüttel nun löchrige Membranen an den Ventilen des Schnellabschaltungssystems. Zuvor waren aus Krümmel 14 Risse in den Rohrleitungen der Absaugvorrichtungen inner- und außerhalb des Reaktorsicherheitsbehälters gemeldet worden. Ein Ende der Mängelmeldungen ist nicht in Sicht, die Untersuchungen werden fortgesetzt.

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Die jüngsten Meldungen von gefundenen Defekten in den AKW deuten auf ein schlechtes Sicherheitsmanagement hin, sagt Heinz Smital, Atomexperte von Greenpeace. Eigentlich dürften da keine Risse sein und die Schnellabschaltung sollte einwandfrei funktionieren. Die Defekte zeigen es deutlich, Krümmel und Brunsbüttel dürfen nicht wieder ans Netz gehen, sondern gehören endgültig abgeschaltet.

Der Betreiber der beiden Schrottreaktoren, Vattenfall, erwartet in den nächsten Tagen den Bericht einer fünfköpfigen Expertenkommission. Er soll auch Empfehlungen für die beiden AKW enthalten. Die Kommission wurde von Vattenfall einberufen, um die in die Kritik geratene Informationspolitik des Konzerns aufzumöbeln. Starke Zweifel bestehen jedoch wegen der Unabhängigkeit der von Vattenfall eingesetzten Kommissionsmitglieder, die teilweise auch als Vertreter der Atomlobby tätig sind.

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