Japan fährt weiteres Atomkraftwerk wieder an

Vertrauen verspielt

Die japanische Regierung lässt nicht von der Atomkraft ab. Ein Gericht entschied, dass in Takahama zwei weitere Reaktoren ans Netz dürfen – trotz erheblicher Sicherheitsmängel.

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Eine Weile schien es, als hätte die japanische Regierung ihre Lektion aus der Fukushima-Katastrophe von 2011 gelernt: Fast zwei Jahre lang war das Land atomstromfrei. Doch die aktuelle Entwicklung in Japan zeigt, dass die vermeintliche Einsicht nur eine Illusion war. Nach dem Wiederanfahren der Reaktoren Sendai 1 und 2 geht das nächste unsichere Atomkraftwerk erneut ans Netz. Der Gouverneur der Fukui-Präfektur hatte den Neustart von zwei Reaktoren in Takahama bereits genehmigt, nun hat die Betreiberfirma Kansai Electric auch die letzte gerichtliche Hürde genommen.

Für die Bewohner von Fukui und der Kansai-Region sind das schlechte Nachrichten. Nach wie vor sind einige Sicherheitsprobleme der Nuklearanlage nicht gelöst und bedeuten für japanische Bürger eine direkte Gefahr. Der verantwortliche Gouverneur Issei Nishikawa beschwichtigt. Bereits im März 2011 sagte er, dass die Betreiber und die Regierung bei der Fukushima-Katastrophe falsch gehandelt hätten. Er würde dafür Sorge tragen, dass bei den Takahama-Reaktoren niemals das Kühlungssystem ausfallen kann wie in Fukushima.

Mangelhafte Notfallpläne

Die Wahrheit sieht anders aus. Die Takahama-Reaktoren 3 und 4 in der Wakasa-Bucht weisen erhebliche Sicherheitsmängel auf. Das Bezirksgericht in Fukui urteilte noch im April 2015, die neuen Sicherheitsauflagen – laut Regierung die „strengsten der Welt“ – seien „zu locker“. Der AKW-Anlage beschied das Gericht eine erhöhte Gefährdung durch Erdbeben, keinen ausreichenden Schutz der Abklingbecken und das Fehlen einer erdbebensicheren Kommandozentrale außerhalb der Anlage. Es gibt keinen umsetzbaren Notfallplan, Teile der einzigen Evakuierungsroute befinden sich in der Flutzone eines möglichen Tsunamis. Außerdem lagern derzeit 1160 Tonnen hochradioaktiver Brennstäbe in den unsicheren Becken von Takahama – dreimal so viele wie in den Fukushima-Reaktoren.

Damit stellte sich das Gericht gegen die japanische Atomregulierungsbehörde NRA: In deren Beurteilung der Reaktoren kamen diese Schwachpunkte nicht zur Sprache. Die NRA ignorierte ebenfalls die Tatsache, dass die beiden Takahama-Reaktoren mit gefährlichen Mischoxid-Brennelementen betrieben werden, die Plutonium enthalten.

„Japan hat etwas Besseres verdient“

Durch eine einstweilige Verfügung wurde das Wiederanfahren zunächst verhindert, doch der Beschluss wurde nach Widerspruch der Betreiberfirma Kansai Electric am 24. Dezember aufgehoben. Damit gehen die Reaktoren womöglich bereits im Januar wieder ans Netz.

Mamoro Sekiguchi, Greenpeace-Experte für Energie in Japan, zeigt sich tief enttäuscht von der neuen Situation: „Die Menschen aus Fukui, der Kansai-Region und überhaupt ganz Japan verdienen etwas Besseres von ihren Regierungsvertretern. Diese Entscheidung ist einer der Gründe, weswegen die Mehrheit der Japaner das Vertrauen in die Atomindustrie verloren hat.“ Er sieht die Gründe für die Erlaubnis in dem gewaltigen Druck, den die Regierung von Ministerpräsident Abe und Kansai Electric auf das Gericht ausgeübt hat: „Doch genau diese Missachtung von unerlässlichen Sicherheitsstandards hat zu dem Unglück im März 2011 geführt.“

Von den 43 verbliebenen japanischen Atomreaktoren sind bislang noch 41 außer Betrieb – im Januar fällt die Zahl dann voraussichtlich auf 39.

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