Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

US-Atommüll soll Weltreise machen

Im Washington schlagen sich gegenwärtig mehrere Ministerien mit Plänen eines kalifornischen Energieversorgers herum, der einen ausrangierten Atomreaktor-Druckbehälter von der US-West- an die Ostküste transportieren will. Die 600 Tonnen schwere Ladung soll dabei jedoch nicht quer durchs eigene Land geschickt werden, sondern per Frachtkahn den amerikanischen Kontinent bei Kap Horn umrunden.

So wird aus einer auch denkbaren inneramerikanischen Reiseroute von rund 5.000 Kilometern eine internationale Seereise von gut 25.000 Kilometern Länge. Mit dem besonderen Reiz von Kap Horn. Dort türmen sich bereits Hunderte von Schiffswracks - ein Tribut, den die berüchtigte rauhe See und schlechten Wetterbedingungen vor der Spitze Südamerikas gefordert haben.

Das Energieunternehmen Southern California Edison hat bereits vom Transportministerium in Washington genehmigte Pläne für eine Beförderung auf dem Land- und Seewege innerhalb des Staatsgebietes der USA wieder verworfen. Der Grund: Die Bahngesellschaft, die den hochgradig strahlenden Reaktorbehälter transportieren sollte, fand sich dazu nur bereit, wenn Edison sich juristisch bindend für allein schadensersatzpflichtig in unbegrenztem Umfange erklärte. Das war Edison anscheinend zu heikel.

Das US-Transportministerium prüft die Pläne nun ganz besonders gründlich, bevor über den Transport entschieden wird. Inzwischen hat sich auch das Außenministerium in Washington eingeschaltet, weil diplomatische Verwicklungen mit Ländern befürchtet werden, an denen der Transport vorbei käme. Insbesondere Chile hat in der Vergangenheit klar gemacht, dass es keine Atomtransporte in seinem 200-Meilen-Seegebiet dulde.

Atomkraftgegner und Umweltschützer bezeichnen die geplante Seereise als tollkühn. Das Beste wäre, den Behälter an Ort und Stelle zu belassen, erklärt der Atomexperte von Greenpeace, Tom Clements. Das ist besser als das Risiko einzugehen, das er für alle Zeiten auf dem Grund des Ozeans landet oder die Umwelt radioaktiv in einer Grube an der Ostküste verseucht.

Tags:

Weiterführende Publikationen zum Thema

Absage an die Atommüll-Kommission

Greenpeace hat gemeinsam mit der Anti-Atom-Organisation ‚Ausgestrahlt‘ und der 'Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg‘ die Teilnahme an der Anhörung der Atommüllkommission am 3. November 2014 in einem Brief abgesagt.

Mehr zum Thema

Rückkehr ins Ungewisse

Japans Versuche, die Region um das AKW Fukushima von Strahlung zu säubern, sind gescheitert, das zeigt ein Greenpeace-Report. Trotzdem sollen die Evakuierten zurück in ihre Häuser.

Der Wahnsinn in Tüten

Atommüll, der sich im Wald stapelt, Atomtransporte auf den Straßen – das Leben rund um Fukushima ist nicht normal. Jetzt reagiert sogar die UN und verlangt von Japan Aufklärung.

Ein klares Jein

An potenziellen Atommüll-Endlagern darf (fast) nicht gebohrt, gegraben, gehämmert werden, so ein neues Gesetz. Nur Gorleben bleibt eine Ausnahme – eine Greenpeace-Klage scheiterte.