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Tschernobyl - immer noch eine Gefahr

Eine neue, im Auftrag von Greenpeace erstellte Studie (17 Jahre nach Tschernobyl") kommt zu dem Ergebnis, dass die Situation in der Region um den 1986 explodierten ukrainischen Atomreaktor in Tschernobyl nach wie vor kritisch ist. Die Reaktorruine selber stellt die eine Gefahr dar: Der Sarkophag, mit dem sie nach der Katastrophe ummantelt wurde, ist an vielen Stellen undicht. Wasser dringt ins Innere ein, wo es mit dem dort befindlichen Kernbrennstoff eine Kettenreaktion in Gang setzen kann. Gefährlich ist aber zum anderen auch der leichtfertige Umgang mit der Verseuchung in der Ukraine, in Weißrussland und Russland.

Wasser wirkt als Neutronenbremse und unterstützt damit Kettenreaktionen, die durch langsame Neutronen sehr viel leichter in Gang kommen als durch schnelle Neutronen, heißt es in der Studie. Auch wenn eine heftige Explosion als unwahrscheinlich anzusehen ist, kann schon der intensive Neutronenschauer, der mit jeder Kettenreaktion verbunden ist, in der näheren Umgebung verheerende Auswirkungen haben. Bis 1999 sind nach Greenpeace-Erkenntnissen rund 3000 Kubikmeter Regenwasser in das Innere des Sarkophags gelaufen.

Für Sanierungsmaßnahmen und Überwachungssysteme fehlt das nötige Geld, soziale Probleme stehen im Vordergrund. Beides zusammen führt dazu, dass tonnenweise verseuchtes Reaktormaterial aus der heißen Zone geschmuggelt und auf dem Schwarzmarkt verkauft wird. So sind zum Beispiel 315 Tonnen Rohre abtransportiert und in unbelasteten Gebieten wieder verwendet worden. Die Kontaminierung der Umwelt nimmt auf diese Weise immer weiter zu. Nach ukrainischen Angaben ist die Zahl der als krank anerkannten Menschen in der betroffenen Region von 37,5 Prozent im Jahre 1987 auf 84 Prozent im Jahre 2002 gestiegen.

17 Jahre nach Tschernobyl (PDF, 211,7 kb).

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