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Tokaimura: Bewährungsstrafen

Rund dreieinhalb Jahre nach dem schwersten Atomunfall in der japanischen Geschichte hat ein Gericht am Montag sechs leitende Angestellte der Betreiberfirma der Brennelemente-Fabrik in Tokaimura JCO zu Bewährungsstrafen verurteilt. Das zuständige Distriktgericht verurteilte den früheren Leiter der Anlage zu drei Jahren Haft, die für fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurden, sowie zur Zahlung von umgerechnet 3.900 Euro. Die anderen fünf Mitarbeiter wurden zu Gefängnisstrafen zwischen zwei und drei Jahren auf Bewährung verurteilt.

Bei dem Unfall in der Brennelemente-Fabrik in Tokaimura, rund 120 Kilometer nordöstlich von Tokio, war es am 30. September 1999 zu einer Kettenreaktion gekommen. Dabei befüllten Arbeiter einen Tank mit 16 Kilo Uranlösung anstatt der vorgeschriebenen 2,3 Kilo. Infolge der Spaltung von Uran (in wässeriger Lösung) kam es zu einer unkontrollierten Kettenreaktion, die mit der Freisetzung hoher Strahlung verbunden war.

Zwei von drei schwer verstrahlten Arbeitern starben kurze Zeit später eines qualvollen Todes. Über 600 Menschen aus der näheren Umgebung wurden verstrahlt. Greenpeace schickte wenige Tage nach dem Unfall ein Messteam in die Umgebung der Anlage von Tokaimura. Innerhalb weniger Stunden konnten sie feststellen, dass die Strahlungswerte um bis zu fünfmal höher waren als die japanische Regierung damals zugab. (bes)

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