Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Tödliche Tonnen tauschen

Einen kleinen Schritt vorwärts in Richtung weniger Radioaktivität haben seit Sonnabend die Menschen in der irakischen Atomanlage Tuwaitha machen können. Greenpeace startete eine Umtauschaktion: Für jede ursprünglich bei Plünderungen mitgenommene und radioaktiv belastete Tonne erhielt der Überbringer eine nagelneue Wassertonne von Greenpeace. Da die Menschen die Tonnen für die Trinkwasseraufbewahrung nutzen, war der Versuch der amerikanischen Besatzungsmacht, die verstrahlten Tonnen für 3 Dollar pro Stück einfach zurückzukaufen, fehlgeschlagen. Eine neue Tonne kostet im Irak rund 15 Dollar.

Trotz dieser Umtauschaktion bleibt die Situation weiterhin prekär in der Region. Nach einer zweiwöchigen Mess- und Dokumentationstour rund um das Atomgelände haben Greenpeace-Aktivisten besorgniserregende Werte an Radioaktivität festgestellt. So fanden sie 10.000fach überhöhte Strahlungswerte in einigen Häusern. Die Umgebung einer Grundschule wies einen 3000 Mal höheren Wert auf als normal. Außerdem haben noch viele Menschen radioaktiv verseuchte Fässer und Verschlüsse in ihren Häusern gehortet. Und immer wieder wurde den Aktivisten davon erzählt, dass jemand erkrankte, nachdem er mit Material aus Tuwaitha in Berührung gekommen war.

Kleiner Lichtblick: Mit keinem der bislang wiedergefundenen Gegenstände hätte man eine Atombombe bauen können. Obwohl sich die Besatzungmacht für die allgemeine Gesundheit zuständig erklärt, verweigert sie den Fachleuten der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), die Menschen und die Umgebung der Atomanlage in Tuwaitha genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Gefahr wird weiter unterschätzt, trotz der vielen Greenpeace-Funde. Um eine fortschreitende Ausbreitung der radioaktiven Verseuchung und damit eine Gefährdung einer drastisch steigenden Anzahl von Menschen zu verhindern, muss die IAEA schnellstmöglich ein volles Mandat für ihre Arbeit erhalten. (mir)

Tags:

Weiterführende Publikationen zum Thema

Fukushima-Report 2020

Die Strahlungsmessungen in der Region Fukushima aus dem Herbst 2019 zeigen: Unwetter wie der Taifun Hagibis führen zum Auftreten neuer radioaktiver Hotspots. Auch in den Gebieten, in denen im Sommer 2020 die Olympiade stattfinden soll.

Fukushima-Report: Kinder und Arbeiter

Kinder und die Dekontaminierungsarbeiter leiden besonders unter der radioaktiven Strahlung in Fukushima. Sie ist auch acht Jahre nach dem Atomunfall in Japan noch viel zu hoch.

Mehr zum Thema

Auf Nimmerwiedersehen

Das Atomkraftwerk Philippsburg macht Platz für eine moderne Umspann-Anlage. Greenpeace hat dort häufig protestiert, in der Nacht zum letzten Mal. Ein Abschied ohne Wehmut.

Katastrophe ohne Verfallsdatum

Vor 34 Jahren explodierte Block vier des Atomreaktors von Tschernobyl. Wie schwer der Super-GAU noch Jahrzehnte später wiegt, zeigen die derzeitigen Waldbrände.

Brennende Sorge

Die Brände um Tschernobyl scheinen unter Kontrolle zu sein – unter großem Einsatz der Feuerwehrleute vor Ort. Die Fast-Katastrophe zeigt: Ein GAU ist niemals abgeschlossen.