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Tödliche Tonnen tauschen

Einen kleinen Schritt vorwärts in Richtung weniger Radioaktivität haben seit Sonnabend die Menschen in der irakischen Atomanlage Tuwaitha machen können. Greenpeace startete eine Umtauschaktion: Für jede ursprünglich bei Plünderungen mitgenommene und radioaktiv belastete Tonne erhielt der Überbringer eine nagelneue Wassertonne von Greenpeace. Da die Menschen die Tonnen für die Trinkwasseraufbewahrung nutzen, war der Versuch der amerikanischen Besatzungsmacht, die verstrahlten Tonnen für 3 Dollar pro Stück einfach zurückzukaufen, fehlgeschlagen. Eine neue Tonne kostet im Irak rund 15 Dollar.

Trotz dieser Umtauschaktion bleibt die Situation weiterhin prekär in der Region. Nach einer zweiwöchigen Mess- und Dokumentationstour rund um das Atomgelände haben Greenpeace-Aktivisten besorgniserregende Werte an Radioaktivität festgestellt. So fanden sie 10.000fach überhöhte Strahlungswerte in einigen Häusern. Die Umgebung einer Grundschule wies einen 3000 Mal höheren Wert auf als normal. Außerdem haben noch viele Menschen radioaktiv verseuchte Fässer und Verschlüsse in ihren Häusern gehortet. Und immer wieder wurde den Aktivisten davon erzählt, dass jemand erkrankte, nachdem er mit Material aus Tuwaitha in Berührung gekommen war.

Kleiner Lichtblick: Mit keinem der bislang wiedergefundenen Gegenstände hätte man eine Atombombe bauen können. Obwohl sich die Besatzungmacht für die allgemeine Gesundheit zuständig erklärt, verweigert sie den Fachleuten der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), die Menschen und die Umgebung der Atomanlage in Tuwaitha genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Gefahr wird weiter unterschätzt, trotz der vielen Greenpeace-Funde. Um eine fortschreitende Ausbreitung der radioaktiven Verseuchung und damit eine Gefährdung einer drastisch steigenden Anzahl von Menschen zu verhindern, muss die IAEA schnellstmöglich ein volles Mandat für ihre Arbeit erhalten. (mir)

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