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Strahlenkranheit im Irak wird untersucht

Seit Monaten klagen viele Iraker in der Nähe der größten irakischen Atomanlage in Tuwaitha, 18 Kilometer südostlich von Bagdad, über Gesundheitsbeeinträchtigungen. Symptome wie Hautjucken, Nasenbluten oder Erbrechen werden berichtet, die auch bei der Strahlenkrankheit auftreten.

Um die Zusammenhänge genauer unter die Lupe zu nehmen, hat das neue irakische Gesundheitsminsterium am Donnerstag eine auf zwei Monate angesetzte Reihenuntersuchung von 5.000 Menschen aus der Region angeordnet. Die Bewohner rund um die geplünderte Atomanlage werden in Gruppen von 75 bis 100 Menschen in ein nahe gelegenes Krankenhaus gebracht, wo sie sich einer Vielzahl von Untersuchungen unterziehen müssen.

Obwohl die ersten Berichte über mögliche Strahlenerkrankungen aus dem Mai dieses Jahres datieren, hat die Besatzungsmacht USA bislang keine Gefährdung erkennen wollen. Dass die Anwohner der Anlage durch die bei Plünderungen mitgenommenen Gegenstände erkrankt seien, wies das US-Militär zurück. Gegenüber dem Christian Science Monitor äußerte Colonel Tim Madere jedoch den Verdacht, dass es immer noch eine potenzielle Gesundheitsgefahr gebe.

Ein Greenpeace-Team, das in den letzten Wochen die Gegend besucht hat, um die Strahlungsgefahr vor Ort zu bestimmen und zu dokumentieren, berichtet, dass radioaktiv strahlende Gegenstände - von Fingerhutgröße bis hin zu Tonnen - allgegenwärtig seien. Wenn das in Europa oder woanders im Westen geschehe, würden ganze Ortschaften abgeriegelt, Straßen gesperrt und Menschen und Umwelt fieberhaft nach Strahlenquellen abgesucht, kritisierte Rianne Teule, niederländische Strahlenexpertin im Greenpeace-Team. (mir)

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