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Strahlender Rhein

Kaum war es um das AKW Philippsburg nach der großen Pannenserie im Jahre 2001 etwas ruhiger geworden, kam nun die Meldung der möglichen radioaktiven Umweltverseuchung.

Der Betreiber des Atomkraftwerkes Philippsburg (Kreis Karlsruhe) kann nicht ausschließen, dass am 1. Oktober bei Reinigungsarbeiten in Block 1 radioaktiv verseuchtes Wasser unkontrolliert in den Altrhein gelangt ist. Der Zwischenfall wurde in die Kategorie 'eilt' eingestuft. Eine Meldung dieser Stufe muss innerhalb von 24 Stunden nach dem Vorfall herausgegeben werden, wenn die Umgebung des Meilers radioaktiv belastet worden sein könnte. Das Landesumweltministerium hat einen umfassenden Bericht von EnBW zu dem Vorfall bis zum 7. Oktober erwartet.

Im Zusammenhang mit dem Zwischenfall teilte EnBW mit, dass vermutlich ein undichtes Ventil zu einem unbemerkten Ausfließen des radioaktiven Wassers in einen eigentlich nicht kontaminierten Behälter geführt habe. Dieser wurde dann in das Regenwassernetz des AKWs entleert. Es handelte sich um rund 1000 Liter Wasser mit einer Aktivität von 3,2 Millionen Becquerel (Zerfällen pro Sekunde). Erst bei der routinemäßigen Kontrolle des Behälters nach dem Arbeitsende wurde die Kontamination entdeckt. Das Umweltministerium in Stuttgart teilte mit, dass es sich bei der Radioaktivitätsmenge um ein Hundertstel dessen handele, was das AKW jeden Tag über das Abwassersystem in den Rhein abgeben darf. Menschen seien nicht verstrahlt worden.

Messungen an den Einleitstellen in den Rhein hätten bisher keine erhöhten Messwerte ergeben, teilte die EnBW mit. Der überwiegende Teil habe sich in den Rohren abgelagert. Das Atomkraftwerk Philippsburg war wegen einer Pannenserie im Sommer 2001 in die Schlagzeilen geraten. In der Folge war das AKW mehrere Wochen vom Netz genommen worden.

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