Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Steht der Bau des AKW Belene vor dem Aus?

Am Donnerstagabend haben die Deutsche Bank und die HypoVereinsbank ihren Entschluss mitgeteilt, sich nicht an der Finanzierung des bulgarishen Atomreaktors Belene zu beteiligen. Diese Entscheidung ist ein Erfolg massiver Proteste vieler Organisationen, wie Urgewald, ausgestrahlt und Greenpeace. Damit bricht dem umstrittenen Atomkraftwerk ein wichtiger Pfeiler seiner Finanzierung weg, erklärt Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital. Hoffen wir, dass das der erste Schritt vom Ende des gefährlichen Projekts ist.

  • /

In einem Schreiben an die Umweltgruppen erklärte die Deutsche Bank: An einer Finanzierung des Kraftwerks Belene werden wir uns nicht beteiligen. und auch die HypoVereinsbank verkündet, dass man sich aus geschäftspolitischen Gründen von dem Projekt verabschiede. Greenpeace fordert nun auch alle anderen beteiligten Banken auf, das Projekt Belene fallen zu lassen.

Bereits seit 2003 arbeiten Umweltschützer gegen den Weiterbau am AKW Belene. Über viele Monate wurden Proteste organisiert. Und so deutete sich bereits am Mittwoch bei einem Treffen der Umweltschützer mit UniCredit, der Muttergesellschaft der HypoVereinsbank, ein Gesinnungswechsel an: Man habe bemerkt, dass die Kunden eine Finanzierung des umstrittenen Projekts ablehnen.

Belene ist eine Kleinstadt im Norden Bulgariens, nahe der Grenze zu Rumänien. Hier soll der 1992 unterbrochene Bau des AKW fortgesetzt werden, obwohl es in einer erdbebengefährdeten Region liegt. 1977 wurden bei einem Erdbeben in der Umgebung mehere Dörfer zerstört und 200 Menschen kamen ums Leben. Kleinere Erdbeben mehrmals im Monat sind an der Tagesordnung.

Doch auch andere Faktoren machen das AKW zu einer besonderen Gefährdung: Geplant ist in Belene ein Atomkraftwerk russischen Reaktortyps, der in Westeuropa nicht genehmigt würde, weil es den Sicherheitsstandards nicht genügt, sagt Smital.

Umweltschützer sowohl vor Ort als auch in Österreich und Deutschland kämpfen deswegen auch weiterhin entschieden gegen das Atomkraftwerk.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Fukushima-Report 2020

Die Strahlungsmessungen in der Region Fukushima aus dem Herbst 2019 zeigen: Unwetter wie der Taifun Hagibis führen zum Auftreten neuer radioaktiver Hotspots. Auch in den Gebieten, in denen im Sommer 2020 die Olympiade stattfinden soll.

Fukushima-Report: Kinder und Arbeiter

Kinder und die Dekontaminierungsarbeiter leiden besonders unter der radioaktiven Strahlung in Fukushima. Sie ist auch acht Jahre nach dem Atomunfall in Japan noch viel zu hoch.

Mehr zum Thema

Beim Ausstieg geschlampt

Der finanzielle Ausgleich für die Betreiber von Atomkraftwerken muss neu geregelt werden. Das ist im Sinne Vattenfalls und peinlich für die Bundesregierung.

Lösung für immer gesucht

Der Zwischenbericht zur Suche eines Endlagers für Atommüll schlägt 90 Regionen zur weiteren Erforschung vor. Gorleben ist nicht darunter. Interview mit Atomexperte Heinz Smital.

Gorleben ist Geschichte!

Ein Wunder ist geschehen: Das Endlager Gorleben ist vom Tisch. Weil der Salzstock kein sicherer Platz für Atommüll ist. Persönliche Betrachtung eines unglaublichen Erfolgs.