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Sellafield: Schwarzes Loch für Steuergelder

Der Atomkomplex im britischen Sellafield ist erneut ins Gerede gekommen. Diesmal erregt die neue Fabrik für so genannte Mischoxid-(MOX)-Brennelemente Ärger. Medienberichten zufolge hat das Werk seit seiner Inbetriebnahme 2001 mehr als 600 Millionen britische Pfund (912 Millionen Euro) aus Steuergeldern verschlungen. Produziert hat es bislang - nichts.

Das finanzielle Desaster zeichnete sich früh ab, doch Kritiker innerhalb wie außerhalb der Regierung warnten vergeblich. Michael Meacher, von 1997 bis 2003 britischer Umweltminister, forderte den Obersten Rechnungshof jetzt zu einer offiziellen Untersuchung auf. Selbst er habe damals keinen Zugang zu den Zahlen erhalten, auf die die Regierung sich berufen habe, um die Anlage zu rechtfertigen.

Betreiberin von Sellafield ist die staatliche British Nuclear Fuels (BNFL). Zum Komplex, früher unter dem Namen Windscale bekannt, gehören auch Wiederaufarbeitungsanlagen und Atomreaktoren. Die radioaktive Verseuchung um die Wiederaufarbeitungsanlage herum ist derjenigen in der 30-Kilometer-Sperrzone um den Katastrophenreaktor von Tschernobyl vergleichbar. Das Blutkrebsrisiko für Kinder und Jugendliche in der Umgebung ist zehnmal so hoch wie im Landesdurchschnitt.

Für Greenpeace-Atomexpertin Susanne Ochse zeigt der Fall Sellafield einmal mehr, dass die Atomindustrie ein schwarzes Loch ist. Sie schluckt Millionen an Steuergeldern, hinterlässt ihren strahlenden Müll, der wiederum Millionen kostet, und gefährdet auf Staatskosten Menschen und Umwelt. (sit)

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