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Russischer Atomkritiker im Arbeitslager

Der russische Journalist Grigorij Pasko ist am 10. September in ein Arbeitslager 100 Kilometer nordwestlich von Wladiwostok transportiert worden. Pasko hatte 1993 die Pazifikflotte beim Versenken von radioaktivem Müll im Japanischen Meer gefilmt und war deshalb des Hochverrats für schuldig befunden worden. Sein Fall erregte weltweit Aufsehen. Das Urteil wurde sowohl international als auch in Russland selber scharf kritisiert. Amnesty International ernannte ihn im Januar 2002 zum Gefangenen aus Gewissensgründen.

Pasko war 14 Jahre lang Berichterstatter bei der Militärzeitung der russischen Pazifikflotte. Er veröffentlichte außer dem Film rund 50 kritische Artikel über den Umgang der russischen Marine mit radioaktivem Material. Umwelt-Informationen dürfen der Öffentlichkeit nach russischem Recht eigentlich nicht vorenthalten werden. Nachdem aber der damalige Präsident Boris Jelzin im Oktober 1997 per Dekret das Gesetz über Staatsgeheimnisse geändert und sämtliche militärischen Atomanlagen für "top secret" erklärt hatte, wurde Pasko sofort verhaftet und - zunächst ohne Verfahren - 20 Monate lang inhaftiert.

Seit der ersten Gerichtsverhandlung 1999 kämpft der Journalist um sein Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit. Im Dezember 2001 wurde er schließlich zu vier Jahren Arbeitslager verurteilt. Sein letzter Einspruch erfolgte im August 2002. Dass er jetzt in das Arbeitslager überführt wurde, zeigt jedoch nach Ansicht von Beobachtern, dass eine Wiederaufnahme des Falls nicht erfolgen wird. Das Europäische Parlament hat Pasko derweil zu seinem Kandidaten des Jahres 2002 für den renommierten Sacharow-Preis für Meinungsfreiheit ernannt.

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