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Russische Regionen gegen Atomindustrie

Das russische Atomprogramm, das den Bau von neuen Atomkraftwerken in rund 30 Regionen Russlands vorsieht, soll neu diskutiert werden. Das forderten Greenpeace und die Vertreter siebzehn russischer Regionen am Mittwoch in Moskau. Sie stützen ihre Initiative auf eine Greenpeace-Studie, die die hohen Kosten der Atomenergie aufdeckt.

Greenpeace geht davon aus, dass der Preis, zu dem der Atomstrom verkauft wird, bei Weitem nicht die wahren Kosten spiegelt. Mindestens 10 Milliarden Rubel für Sicherheit und Schutzmaßnahmen, Entsorgung und Stilllegungen müssten jedes Jahr zusätzlich auf den Preis aufgeschlagen werden. Einen großen Teil dieser Ausgaben zahlen jedoch westliche Regierungen oder der russische Staat. Wir fordern, dass die Atomindustrie alle ihre Aufwendungen selbst bezahlt. Nur so kann der Mythos von der billigen Atomenergie zerstört werden, erklärte Greenpeace-Energiekoordinator Wladimir Chuprov.

In Umfragen wird deutlich, dass der Bau von neuen AKWs in der russischen Bevölkerung wenig beliebt ist. Ein Referendum aus dem Jahr 1993 zeigt, dass 73 Prozent der Bevölkerung in Balakovo gegen den Bau von neuen AKWs ist, sagt Wladimir Smirnow, ein Abgeordneter aus der Region Saratow. Seitdem macht die Regierung massiv Lobbyarbeit für neue AKWs und versucht, die Massenmedien zu beeinflussen.

Den Report, der die Ineffizienz der Atomindustrie belegt, übergab Greenpeace unter anderem der Duma, dem Finanzministerium und der russischen Regierung. (nic)

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