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Obrigheim: Atomschwindel geht weiter

Der Stromkonzern Energie Baden-Württembeg (EnBW) verfolgt eine neue Strategie, um sein Atomkraftwerk Obrigheim am Netz zu lassen. Er will dem Konkurrenten E.on das restliche Stromkontingent des AKW"s Stade abkaufen, berichtet das Nachrichtenmagazin der Spiegel. Der niedersächsiche Reaktor wird bereits 2003 abgeschaltet, gut ein Jahr vor dem im so genannten Atomkonsens vereinbarten Termin. Als Gegenleistung für die Überlassung der Reststrommenge will die EnBW ihre Klage gegen die Fusion von E.on und Ruhrgas zurücknehmen. Durch den Deal können nicht genutzte Strommengen problemlos auf das AKW Obrigheim übertragen werden. Die Zustimmung der rot-grünen Bundesregierung ist dafür nicht nötig.

Während EnBW-Chef Goll alles probiert, um den Uralt-Reaktor länger laufen zu lassen, streikt in der Anlage die Technik. Am Donnerstag wurde bekannt, dass im AKW Obrigheim am 14. November erneut ein Störfall stattgefunden hat. In dem 34 Jahre alten Atommeiler war eine undichte Stelle im Getriebeölkühler einer Notspeisepumpe festgestellt worden. Nachdem Kühlwasser in das Getriebeöl gelangt war, musste der Reaktorbetreiber die Pumpe austauschen. Es ist bereits der sechste Störfall innerhalb des letzten halben Jahres.

Das AKW Obrigheim ist bekannt für seine gravierenden Sicherheitsmängel, kommentiert Susanne Ochse, Atom-Expertin bei Greenpeace. Mit zunehmendem Alter steigt die Gefahr von schweren Unfällen. Es sieht jedoch so aus, als ob EnBW gar nicht ans Abschalten denkt, sondern seine Meiler über die nächste Wahl retten will.(abu)

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