Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Kritik an Schweizer Atomendlager

Das Vorgehen der Schweiz, einen Standort für ein Atommüll-Endlager zu bestimmen, wurde vom Darmstädter Büro des Instituts für angewandte Okologie kritisiert. Am Dienstag legte das Öko-Institut eine Studie vor, die von zwei schweizerischen Anti-Atom-Bürgerbewegungen in Auftrag gegeben worden war. Beleuchtet wurde das Verfahren der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (NAGRA) in der Schweiz bei der Endlagersuche im Züricher Weinland, nahe der deutschen Grenze. Das Institut bezeichnete das Vorgehen als intransparent und nicht nachvollziehbar.

In der über 160 Seiten umfassenden Studie kommt das Öko-Institut zu dem Schluss, dass das von der NAGRA angewandte Verfahren nicht den international üblichen Standards entspreche. So fehle die Festlegung der Verfahrensregeln und rechtlich verbindlicher quantitativer Kriterien vor der eigentlichen Standortsuche, die Einbeziehung sozialwissenschaftlicher Aspekte sowie eine Beteiligung der Bevölkerung, wie es inzwischen üblich sei. Das Öko-Institut kritisiert auch die Bewertung der geologischen Gegebenheiten in der Nordschweiz. Obwohl unter Experten umstrittenen ist, ob die Gebirgsbildung in den Alpen abgeschlossen ist, wurde diesem entscheidenden Punkt durch die NAGRA nicht die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt. Gerade bei einem Endlager, das für Millionen von Jahren angelegt ist, sei das jedoch eine entscheidende Frage.

Auf Unverständnis stieß in der Studie auch der Umstand, dass die unerwartet hohe Wasser-Durchlässigkeit des Untergrunds, wie sie bei einer Probebohrung der NAGRA in Benken beobachtet wurde, nicht zu weiteren Untersuchungen Anlass gegeben hat. Greenpeace fordert, weiter nach einer verantwortbaren Lösung für die Endlagerung von Atommüll in der Schweiz zu suchen. Zugleich müsse ein geordneter Ausstieg aus der Atomenergie stattfinden. Ein Langzeitlager müsse überwachbar und reparierbar konzipiert werden, damit der strahlende Abfall zurückgeholt und besser verwahrt werden könne, falls die Lagerstätte im Laufe der Zeit undicht werden sollte. (mir)

Tags:

Weiterführende Publikationen zum Thema

Absage an die Atommüll-Kommission

Greenpeace hat gemeinsam mit der Anti-Atom-Organisation ‚Ausgestrahlt‘ und der 'Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg‘ die Teilnahme an der Anhörung der Atommüllkommission am 3. November 2014 in einem Brief abgesagt.

Mehr zum Thema

Unbeirrt unverantwortlich

Aus Gronau geht heute wieder ein gefährlicher Urantransport nach Russland. Business as usual für Urenco, während die Proteste dagegen den Ausnahmezustand ernst nehmen.

Russland ist keine Müllkippe

Erneut gehen Container mit strahlendem Material von Deutschland aus nach Russland. Das Bundesumweltministerium erhielt darum gestern eine Beschwerde, in 70.000-facher Ausführung.

Protest ist kein Verbrechen

Rashid Alimov ist Greenpeace-Experte für Atomkraft – und stellt sich gegen die deutschen Uranexporte nach Russland. Deswegen wurde er gestern vorübergehend festgenommen.