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Klimaschutz ist mit Atomkraft nicht zu machen

Atomkraft ist kein Schutz vor dem Klimawandel. Das ist die Kernaussage eines heute präsentierten Hintergrundpapiers von Greenpeace. Um alle herkömmlichen Kraftwerke zu ersetzen, die durch ihren Kohlendioxidausstoß zum Treibhauseffekt beitragen, müssten in Deutschland bis zum Jahr 2050 60 neue Atomkraftwerke gebaut werden. Das ist weder technisch möglich noch politisch durchsetzbar.

Die Atomenergie auszubauen, wäre sogar schädlich für den Klimaschutz, weil das Geld, das in die Atomkraft fließt, bei Erneuerbaren Energien fehlt. Atomkraft als Klimaretter zu verkaufen, ist bloß ein Vorwand, um diese Hochrisikotechnologie schönzureden. Das ist wie den Beelzebub ins Haus holen, ohne wenigstens den Teufel loszuwerden, so Thomas Breuer, Atom-Experte von Greenpeace.

Die Gefahren der Atomkraft liegen im weiterhin möglichen Super-GAU, dem hochgradig strahlenden Atommüll, für den es kein sicheres Endlager gibt, und der Bedrohung durch Terroristen. Abgesehen davon reichen die Uranreserven schon beim heutigen Ausbaustand der AKW weltweit nur noch ca. 50 Jahre. Das weiß auch die CDU. Heute einen Wiedereinstieg in die Atomtechnologie mit Klimaschutz zu begründen, ist vorsätzliche Täuschung der Bevölkerung, um Klientelpolitik besser aussehen zu lassen, schimpft Breuer.

Die Zahl von 60 neuen Atommeilern bis 2050 stammt im Übrigen nicht von Greenpeace. Die Enquete-Kommission Nachhaltige Energieversorgung des Deutschen Bundestags hat bereits 2002 auf Wunsch der CDU/CSU-Fraktion durchrechnen lassen, wie ein solches Szenario auszusehen hätte. Jedes Jahr bis 2050 müssten demnach ein bis zwei Reaktoren fertig werden. Da der Bau eines Atomkraftwerks rund acht Jahre dauert, müsste an bis zu 16 Meilern gleichzeitig gebaut werden.

Das ist technisch nicht machbar, so Breuer. Die Kapazitäten zum Bau so vieler Atomkraftwerke sind überhaupt nicht vorhanden. Heute kann die europäische Reaktorindustrie nicht einmal einen einzigen Reaktor ohne fremde Hilfe fertigstellen. Die Fertigung des Reaktordruckbehälters für das finnische AKW Olkiluoto 3 musste Siemens/Framatome auf Grund von Engpässen im Unterauftrag an den japanischen Konkurrenten Mitsubishi vergeben.

Aber auch politisch wäre das ein Kamikaze-Kommando, so Breuer. 75 Prozent der Deutschen wollen kein Atomkraftwerk in ihrer Nähe. Sogar 67 Prozent der CDU-Wähler lehnen das ab. Das hat erst Anfang August eine von Greenpeace in Auftrag gegebene Emnid-Umfrage ergeben.

Jeder Euro, der in Atomkraft gesteckt wird, fehlt zudem beim Ausbau einer nachhaltigen Energiewirtschaft, die auf der Kraft aus Sonne Wind, Biomasse, Wasser und Erdwärme beruht. Nur damit kann dauerhaft der Energiehunger der Menschen gestillt werden, ohne diesen Planeten und sein Klima zu zerstören, sagt Breuer. Greenpeace fordert alle Parteien auf, Atomkraftwerke so schnell wie möglich abzuschalten und die Energiewende voranzutreiben.

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