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Japan: Widerstand gegen Atomkraft wächst

Seit die Regierung in Japan die Atomkraftwerke wieder hochfährt, regt sich vermehrt Protest. Massendemonstrationen, wie Deutschland sie kennt, werden alltäglicher. Vor einigen Tagen gingen in Tokio 170.000 Japaner gegen Atomkraft auf die Straße.

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Trotz massiver Proteste der Bevölkerung hat die japanische Regierung kürzlich wieder Atomstrom ins Netz eingespeist. Erstmals seit der Katastrophe in Fukushima ging damit ein Reaktor ans Netz. Die Betreiberfirma Kansai Electric Power will nach dem Reaktor III des AKW in Oi am Mittwoch auch Reaktor IV des AKW wieder hochfahren.

Experten wie der Seismologe Katsuhiko Ishibashi weisen immer wieder auf eine ganze Anzahl von geologischen Verwerfungen hin, die es in dem Gebiet des erneut in Betrieb genommenen Atomkraftwerks Oi gibt. Ishibashi hatte bereits Jahre vor der Katastrophe von Fukushima prophezeit, dass eines Tages Erdbeben Atomunfälle auslösen könnten. Doch die Regierung und Atomlobby hörten nicht - und missachten die Warnungen auch jetzt.

In der Bevölkerung wächst die Sorge vor der Wiederinbetriebnahme der Atomreaktoren. In dem erdbebengefährdeten Land haben Aktivisten fast acht Millionen Unterschriften gegen die Atomkraft gesammelt. Rund 70 Prozent der Japaner haben sich in Umfragen gegen das Wiederhochfahren der Atomanlagen ausgesprochen.

Der Untersuchungsbericht des japanischen Parlaments über die Ursachen der Fukushima-Katastrophe ist wenig vertrauenserweckend. Er enthüllt schonungslos die Fehler von Politik, Behörden und AKW-Betreibern. Sowohl der Atombetreiber Tepco wie auch die Atomaufsicht und die Regierung haben seit langem gewusst, dass das AKW Fukushima Daiichi einem solch starken Erdbeben und Tsunami nicht standhalten konnte, sagt Tobias Riedl Atomexperte von Greenpeace. Dennoch haben sie nichts unternommen.

Nicht nur das Krisenmanagement der Regierung habe auf breiter Front versagt, heißt es im Bericht der Untersuchungskommission, sondern es hätten auch elementare Sicherheitsanforderungen gefehlt. Außerdem seien ausreichende Vorkehrungen für den Ernstfall unterlassen worden. Die Atomkatastrophe von Fukushima sei nicht zuletzt eine Folge der Kungelei zwischen der Regierung, der Atomaufsicht und Tepco. Genau dieses als Atomdorf bekannte Netzwerk aus Staat und Atomindustrie, zu dem viele auch die staatstragenden Medien des Landes hinzu zählen, sehen Kritiker weiter am Werk.

Dabei gibt es Alternativen: Das Industrieland Japan hat in den vergangenen Wochen gezeigt, dass es auch ohne Atomstrom geht. Durch größere Energieeffizienz kann Japan auch dauerhaft auf alle Atomreaktoren verzichten und trotzdem seine CO2-Reduktionsziele erreichen. Weiteres Potenzial bieten Erneuerbare Energien. Das Inselreich verfügt über jede Menge Ressourcen an alternativen Energieträgern und über modernste Technologien.

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Menschenrechtsverletzungen bei Frauen und Kindern nach dem Atomunfall im Kraftwerk Fukushima Daiichi. Report in englischer Sprache.

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