Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Irak: Nur 10 Kilo Uran fehlen?

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien hat am Dienstag den Vereinten Nationen in New York ihren Abschlussbericht zukommen lassen, in dem es um den Bestand an radioaktivem Uran in der irakischen Atomanlage Tuwaitha geht. Danach können mindestens zehn Kilogramm Uran als verschwunden gelten. Erst Anfang Juni durften die Experten der Atomenergiebehörde in den Nachkriegsirak einreisen. Die USA hatten der IAEA einen stark begrenztes Mandat erteilt: In der größten irakischen Atomanlage Tuwaitha allein die Uranmengen zu kontrollieren - mehr nicht.

Für Greenpeace ist die Kürze des Berichts und alles, was er nicht erwähnt - weil er es nicht erwähnen kann - bezeichnend. Sollte es wahr sein, dass lediglich zehn Kilogramm radioaktives Uran rund um die gigantische Anlage in Tuwaitha verstreut wurden, wären unsere schlimmsten Befürchtungen nicht eingetreten, sagte Mike Townsley, Atomexperte von Greenpeace. Dennoch bleibt die Frage, was mit den mehr als 400 tödlichen Strahlenquellen ist, die Industriezwecken dienten und mit hochradioaktiven Isotopen bestückt sind. Es ist ein Skandal, dass die IAEA deren Bestand nicht unter die Lupe nehmen durfte!

Vor einer Woche erst war ein Greenpeace-Team aus dem Irak zurückgekehrt. Die Aktivisten berichteten, dass rund um die Anlage in Tuwaitha unzählbar viele Gegenstände und Bruchstücke verteilt sind, die hochgradig strahlen. Nur wenige davon tragen das Radioaktivitäts-Warnzeichen. Einge Strahlenquellen fanden sie sogar in den Wohnzimmern einiger Familien.

Deswegen fordert Greenpeace, der IAEA so schnell wie möglich ein volles Mandat zu erteilen, damit sie uneingeschränkt nach allen Strahlenquellen im Irak suchen kann. Ebenso fordert Greenpeace der Weltgesundheits-Organisation (WHO) ein Mandat zu erteilen, damit die Menschen rund um die Atomanlage gesundheitlich betreut werden können.

Greenpeace hat dem US-amerikanischen Chef der Zivilverwaltung im Irak, Paul Bremer, geschrieben. Bremer ist für das Gesundheitswesen im Lande zuständig. Post bekam auch der gesamte UN-Sicherheitsrat und der UN-Generalsekretär Kofi Annan. Zugleich wies Greenpeace darauf hin, dass die Missachtung der Forderungen einen Bruch der Genfer Konventionen über Menschenrechte bedeute. Bis jetzt hat aber noch keiner der Angeschriebenen geantwortet.

Greenpeace-Presseerklärung zum UN-Bericht: UN-Bericht verharmlost nukleares Desaster im Irak

Zum Nachlesen - ein Greenpeace-Aktivist berichtet:

Tags:

Weiterführende Publikationen zum Thema

Report: Unequal Impact

Menschenrechtsverletzungen bei Frauen und Kindern nach dem Atomunfall im Kraftwerk Fukushima Daiichi. Report in englischer Sprache.

Mehr zum Thema

Es ist zwei vor Zwölf

Die UN wollen Atomwaffen verbieten, der Vertrag wird gerade ratifiziert. Nur: die Atommächte machen nicht mit. Ein Interview mit Greenpeace-Experte Heinz Smital und Alexander Lurz.

Sicherheit ist gutes Recht

Frankreichs AKW haben ernste Sicherheitsmängel; darauf machten Greenpeace-Aktivisten mit friedlichem Protest aufmerksam. Ein AKW-Betreiber zog vor Gericht – mit mäßigem Erfolg.

Schlechter Gewinner

Frankreichs Präsident Macron wird für seine Vision Europas mit dem Karlspreis ausgezeichnet. Doch sein Beharren auf Atomkraft verdient keine Würdigung, sagen Greenpeace-Aktivisten.