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Interview: Besuch in Krsko

Ein Greenpeace-Team um unseren Atomexperten Heinz Smital war nach dem Zwischenfall im Atomkraftwerk Krsko in Slowenien vor Ort. Wir haben mit Heinz Smital über ihren Aufenthalt dort gesprochen.

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Online-Redaktion: Hallo Heinz, nach dem Zwischenfall in Krsko warst du mit einem Team vor Ort. Was war das für ein Gefühl? Es wäre ja gut möglich gewesen, dass eure Gesundheit in Gefahr ist.

Heinz Smital: Davon war erstmal nicht auszugehen, da die Meldung lautete, es sei keine Radioaktivität ausgetreten. Natürlich hatten wir Personendosimeter mit. Die haben wir am Körper getragen, um die Strahlendosis messen zu können, die wir abbekommen haben. Außerdem hatten wir auch Strahlenmessgeräte um den Boden nach Strahlung abzusuchen.

Man muss sehr aufmerksam und professionell vorgehen, besonders wenn man radioaktiv kontaminiertes Gebiet betritt. Wenn wir erhöhte Radioaktivität festgestellt hätten, hätten wir das in erster Linie den Behörden gemeldet.

Online-Redaktion: Warum seid ihr eigentlich nach Slowenien gefahren?

Heinz Smital: Es gibt eine Tendenz, dass Störfälle in Atomkraftwerken sehr heruntergespielt werden. Sich da ein eigenes Bild zu machen, ist der richtige Weg.

Darum haben wir uns mit dem Leiter der Atomsicherheitsbehörde in Ljubljana getroffen. Außerdem waren wir in Krsko und haben dort mit dem Kraftwerksleiter gesprochen. So haben wir unsere Informationen aus erster Hand erhalten.

Online-Redaktion: Ist das Atomkraftwerk in Slowenien mit deutschen Kraftwerken vergleichbar?

Heinz Smital: Es ist ein Reaktor westlichen Typs, ein Westinghouse. Im Prinzip sind die deutschen Kraftwerke aus Westinghouse-Typen entstanden. Die Kapazitäten sind unterschiedlich, die Kühlsysteme aber auch. Die Sicherheitsstandards sind vergleichbar. Was in Slowenien passiert ist, kann genauso auch in Deutschland passieren.

Problematisch sind neben den technischen Voraussetzungen aber auch unbeeinflussbare Umweltfaktoren. Im Jahr 1991 war Slowenien in kriegerische Handlungen verwickelt. Atomkraftwerke sind im Krieg strategische Ziele. Der Reaktor in Krsko wurde damals heruntergefahren. Trotzdem hätte er einem Angriff nicht standgehalten.

Gefährlich ist außerdem die geografische Lage. Krsko ist erdbebengefährdet. Einem stärkeren Beben würde das Kraftwerk nicht standhalten. Was in einem solchen Fall passieren kann, ist nicht vorstellbar.

Online-Redaktion: Die einzige sinnvolle Lösung ist also, Atomkraft abzuschaffen. Danke für deine Zeit Heinz.

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