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IAEO spielt Folgen von Tschernobyl herunter

Der Super-GAU in Tschernobyl hat angeblich nur 59 Todesopfer gefordert. Zu diesem Schluss kommt zumindest die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) in einem am Montag in Wien veröffentlichten Bericht. In der Studie mit dem Titel Das Vermächtnis von Tschernobyl: Folgen für Gesundheit, Umwelt und Sozioökonomie werden die Folgen des Reaktorunglücks im ukrainischen Tschernobyl extrem verharmlost.

Die Folgen des Unfalls 1986 seien insgesamt nicht so schwer, wie man anfangs habe befürchten müssen, heißt es im Bericht der UN-Behörde. Eine Sichtweise, der Umweltschützer entschieden widersprechen.

Für den Greenpeace-Atomexperten Thomas Breuer schlägt die Verharmlosung dem Fass den Boden aus. Von langfristig zu erwartenden 4.000 Todesopfern sprechen die Experten der IAEO, dabei hat das ukrainische Gesundheitsministerium bereits 2002 von schätzungsweise 15.000 Todesopfern allein unter den Liquidatoren gesprochen, die an den Aufräumarbeiten beteiligt waren.

Breuer weist auf die ursprüngliche Funktion der IAEO als Lobbyorganisation der Atomländer hin: Sie wurde 1957 von den UN-Mitgliedsstaaten gegründet, um die zivile Atomtechnologie in der Welt zu verbreiten. Der Super-GAU in Tschernobyl war auch ein Super-GAU für die IAEO. Es wurde offentsichtlich, das die zivile Atomtechnologie nicht beherrschbare Gefahren birgt. Das darf man nicht verharmlosen.

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