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Greenpeace fordert Sanierung der CSM-Abfallhalde in der Normandie

Grabungsarbeiten auf Atommüllkippe

18 Greenpeacer haben am Montag symbolisch begonnen, radioaktiven Abfall auf der Atommüllhalde CSM (Centre Stockage de la Manche) auszugraben. Die Halde gehört zur französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague. Der gelagerte Atommüll stammt unter anderem aus Deutschland. Er verseucht das Grundwasser der Region. Zehn Aktivisten wurden festgenommen.

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Die Wiederaufarbeitungsanlage des Atomkonzerns AREVA im normannischen La Hague verarbeitet abgebrannte Brennstäbe aus europäischen und japanischen Atomkraftwerken. Ihre größten Kunden sind Deutschland, die Schweiz, die Niederlande, Belgien und Frankreich. Aus diesen fünf Ländern stammen auch die 18 Greenpeacer, die mit ihrer Protestaktion zur Sanierung der Müllkippe aufforderten.

Auf der Halde liegen 1,4 Millionen Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Abfall aus den Jahren 1969 bis 1994. Er stammt zu einem großen Teil vom französischen Stromkonzern Electricité de France (EdF) und von AREVA selbst. Zehn Prozent der Fässer kommen aus ausländischen Kraftwerken und verstoßen damit gegen das Gesetz Bataille. Es verbietet seit 1991 die Lagerung von internationalem Atommüll in Frankreich.

Greenpeace hatte das französische Labor ACRO beauftragt, Wasserproben zu ziehen und auf Radioaktivität zu untersuchen. Dabei stellte sich heraus, dass beispielsweise das Wasser eines nahe gelegenen alten Dorfbrunnens mit siebenfach erhöhten Tritiumwerten belastet ist. Aus dem Brunnen schöpfen die Bauern das Wasser für ihr Vieh.

Tritium ist gut nachweisbar, es löst und verteilt sich relativ schnell in Wasser. Doch die Müllkippe enthält mit Sicherheit auch andere strahlende Stoffe. Greenpeace fordert den Betreiber auf, öffentlich bekannt zu geben, welche Stoffe das sind.

Diese Atommüllkippe ist wie ein radioaktiver Schwamm. Sie saugt Wasser auf und lässt Radioaktivität frei. RWE, E.ON, EnBW und Vattenfall, die Betreiber der deutschen Atomkraftwerke, tragen direkt Verantwortung für die radioaktive Kontamination in La Hague, so Thomas Breuer, Atomexperte von Greenpeace.

Breuer weist darauf hin, dass es bislang weltweit keine Lösung für das Atommüllproblem gibt. Trotzdem wollen die deutschen Atomkraftwerksbetreiber die Laufzeiten ihrer Kraftwerke verlängern und damit das ungelöste Müllproblem noch vergrößern. EdF will sogar ein neues Atomkraftwerk in Flamanville in der Normandie bauen. In diesem AKW, dem European Pressurised Reactor (EPR) würde der am stärksten radioaktiv belastete Abfall entstehen, der jemals in einem französischen Atomkraftwerk hergestellt wurde.

Greenpeace fordert, Atomkraftwerke so schnell wie technisch möglich abzuschalten und die Wiederaufarbeitung von abgebrannten Brennstäben, wie sie in La Hague stattfindet, weltweit zu stoppen. Die Atommüllkrise in Frankreich, wo immer noch deutscher Atommüll aufgearbeitet und gelagert wird, zeigt, dass die Bundesregierung dringend eine alternative Endlagersuche starten muss.

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