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Gestern Paks, heute Mochovce, morgen ...?

Aus dem slowakischen Atomkraftwerk Mochovce ist Radioaktivität ausgetreten. Das geht aus Informationen hervor, die dem österreichischen Büro von Greenpeace vorliegen. Der zweite Block des AKW war am 25. April nach einer Revision wieder hochgefahren worden, obwohl eine potenziell undichte Stelle in der Reaktorhülle entdeckt worden war.

Schon zwei Stunden nach der Wiederinbetriebnahme musste der Reaktor wegen des Defekts erneut heruntergefahren werden. An der undichten Stelle trat Radioaktivität aus. Arbeiter in Reaktornähe waren nach Angaben der Kraftwerksleitung einer Strahlung ausgesetzt, die einer ganzen Jahresdosis entsprach. Wie ebenfalls bekannt wurde, muss die Kraftwerksleitung das Risiko eines Störfalls bewusst in Kauf genommen haben, um den Revisionszeitplan einzuhalten. Und wie im ungarischen AKW Paks vor wenigen Wochen wurde die Panne zunächst vertuscht. Regierung und Öffentlichkeit im Nachbarland Österreich erfuhren erst aus den Medien davon.

Greenpeace-Experte Erwin Mayer zeigte sich schockiert über den Vorfall: Nach den abenteuerlichen Experimenten und Pannen im ungarischen Kraftwerk Paks werden nun auch im slowakischen Mochovce haarsträubende Praktiken bekannt. Das Hochfahren eines Reaktors mit undichter Abdeckung ist sehr gefährlich. Der Störfall in Mochovce belegt: Es gibt keine sicheren Atomkraftwerke. Der europäische Atomausstieg ist der einzige Weg zur nuklearen Sicherheit. (sit)

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