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Gefährlicher Zwischenfall im AKW Paks

In Ungarn droht möglicherweise der größte atomare Störfall in Mittel- und Osteuropa seit Tschernobyl. Wie vor drei Wochen bekannt wurde, sind im ungarischen Atomkraftwerk Paks rund 100 Kilometer südlich von Budapest etliche Kernbrennstäbe schwer beschädigt worden. Jetzt ist deutlich geworden, dass der Vorfall weitaus gravierender ist als angenommen. Da es sich um Brennstäbe russischer Herkunft handelt, sind mittlerweile auch russische Atomexperten zu Rate gezogen worden. Die österreichische Regierung wirft den ungarischen Behörden vor, sie nicht angemessen informiert zu haben.

Der Vorfall ereignete sich offenbar, als am 10. April in Block 2 des AKWs Reinigungsarbeiten an den Brennstäben durchgeführt wurden. Beim Öffnen des Reinigungstanks trat radioaktives Gas aus. Nukleares Material aus den Brennelementen soll auf den Boden des Tanks abgesunken sein. Falls es nicht gelingt, die defekten Brennstäbe zu bergen, kann eine unkontrollierte atomare Kettenreaktion ausgelöst werden. Der Unfall könnte der Technischen Universität Budapest zufolge zu einem kleinen Tschernobyl in der Region führen.

Zwei Budapester Universitäten hatten am 10. April für die Dauer einiger Stunden erhöhte radioaktive Werte in Budapest festgestellt. Die gemessenen Werte ergaben einen Anstieg um 17 beziehungsweise 26 Prozent. Auf der siebenstufigen Bewertungsskala der Internationalen Atomaufsichtsbehörde (IAEA) wurde der Vorfall zunächst in die Stufe zwei eingeordnet und in der darauf folgenden Woche auf Stufe drei hochgesetzt. Das tatsächliche Ausmaß des Vorfalls scheint aber immer noch nicht geklärt zu sein.

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