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Baugenehmigung im Eiltempo

Finnland baut erstes neues AKW nach Tschernobyl

Greenpeace hat in Helsinki Klage gegen die Baugenehmigung für den neuen Atomreaktor in Finnland eingereicht. Die Organisation wirft der EU-Kommission vor, bei der Genehmigung Sicherheitsanforderungen nicht berücksichtigt zu haben. Der Grundstein für den ersten Neubau eines Atomreaktors in Europa seit dem Super-GAU von Tschernobyl ist am Montag im westfinnischen Olkiluoto gelegt worden.

Olkiluoto 3 ist der erste Europäische Druckwasserreaktor (EPR). Er wird von Framatome ANP gebaut, einem Zusammenschluss des französischen Atomkonzerns Areva und der deutschen Siemens AG. Der neue Reaktor soll 2009 mit einer Leistung von 1600 Megawatt ans Netz gehen. Kritiker wie der Atomexperte von Greenpeace, Thomas Breuer, werfen der finnischen Reaktorsicherheitsbehörde vor, bei der Sicherheitsexpertise nachlässig und übereilt vorgegangen zu sein.

Es ist doch sehr erstaunlich, dass die finnische Atomaufsicht nur 13 Monate zur Prüfung eines Reaktors benötigt, der zum einen noch nirgendwo läuft und zum anderen ein hochkomplexes System darstellt, so Breuer. Andere Länder wie beispielsweise die USA benötigen einige Jahre zur Prüfung solch gefährlicher Anlagen. Breuer nennt das finnische Vorgehen völligen Wahnsinn. Die Sicherheitsrisiken seien nach wie vor auch mit Blick auf mögliche Terroranschläge viel zu hoch.

Mit dem Bau des angeblich sichereren EPR versucht die Atomindustrie, ihre Atomkraft wieder salonfähig zu machen. Nach der Atomeuphorie der Fünfziger- und Sechzigerjahre prägte ab den Siebzigern eine sehr aktive Anti-Atombewegung die Szene. Der schwere Unfall im US-amerikanischen AKW Harrisburg 1979 gab den Atomkritikern Recht, die Katastrophe von Tschernobyl 1986 machte auch vielen Politikern klar, dass Atomkraft eine Technologie mit unverantwortlich hohem Risikopotenzial ist.

Rund zwanzig Jahre lang hatte Atomenergie kaum noch Konjunktur. In den Achtziger- und Neunzigerjahren des vorigen Jahrhunderts stiegen immer mehr EU-Mitgliedsstaaten aus der Atomstromerzeugung aus oder beschlossen den schrittweisen Ausstieg. In Italien war der Schock von Tschernobyl der unmittelbare Anlass für den Verzicht auf Atomstrom, in Deutschland fasste die SPD wegen des Super-GAU ihren Ausstiegsbeschluss. Lediglich Großbritannien und Frankreich betrieben ihre Atomindustrie in großem Maßstab weiter, nicht zuletzt um ihre Atomwaffenprogramme zu unterstützen.

Parallel entwickelte die Atomindustrie, insbesondere Framatome, ab 1989 aus den herkömmlichen Atomkraftwerkstypen den EPR weiter - in Deutschland unterstützt von der CDU/CSU und der damaligen CDU-Umweltministerin Angela Merkel. Spätestens seit fossile Energiequellen wie Kohle durch die Klimadebatte ins Zwielicht geraten sind, wittern die Atombefürworter wieder Morgenluft. Statt in Erneuerbare Energien zu investieren, holen Politik und Wirtschaft die teure und gefährliche Atomkraft aus der Versenkung.

Breuer warnt vor dieser Entwicklung: Milliarden für die Atomindustrie sorgen für eine Verschärfung des Klimaproblems, denn diese Gelder werden zum Ausbau der dringend benötigten Erneuerbaren Energien fehlen. Damit wird eine nachhaltige Lösung für das Klimaproblem gefährlich hinausgezögert.

Publikationen

Chance Atomausstieg (Kurzfassung)

Die vorliegende Studie untersucht die Folgen eines Atomausstiegs innerhalb von fünf Jahren. Im Ausstiegsszenario, das mit einer Trendentwicklung verglichen wird, werden Atomkraftwerke abgeschaltet, sobald sie eine Laufzeit von 20 Jahren erreicht haben oder die Lagermöglichkeiten in den anlageninternen Abklingbecken erschöpft sind.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Fukushima-Report: Kinder und Arbeiter

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