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Erhöhte Strahlung in Budapest

In dem süd-ungarischen Atomkraftwerk Paks ist nach Leckschlagen etlicher atomarer Brennstabhüllen radioaktives Gas in die Atmosphäre freigesetzt worden. Im rund 200 Kilometer entfernten Budapest wurde daraufhin ein Anstieg der Hintergrund-Radioaktivität festgestellt. Die regelmäßigen Messungen der Budapester ELTE-Universität ergaben eine Erhöhung der Radioaktivität um 17 Prozent für die Dauer von einigen Stunden. Die Messstelle einer zweiten Universität (BME) hat im selben Zeitraum eine Erhöhung um 26 Prozent registriert.

Der Reaktorblock II des AKWs setzte bereits am 10. April, während einer Routinereinigung der Brennstäbe, radioaktives Gas frei. Dieser Zwischenfall wurde zunächst auf der siebenstufigen Bewertungsskala der Internationalen Atomaufsichtsbehörde (IAEA) in die Stufe zwei eingeordnet. Der Betreiber des AKWs sprach davon, dass 30 Brennstäbe schwerwiegend beschädigt seien. Als dann in der letzten Woche der Reaktorblock geöffnet wurde, setzte Paks den Zwischenfall auf Stufe drei nach IAEA hoch. Bis dahin konnte der Schaden lediglich mit Hilfe von Video-Cameras beurteilt werden. Stufe drei ist die höchste für Zwischenfälle, ab Stufe vier spricht man von Unfällen.

Während die Menschen in Budapest und im gesamten Europa tagtäglich der Gefahr eines Atomunfalls ausgesetzt sind, will die Energiekommissärin Loyola de Palacio die Atomkraft sogar dauerhaft in der geplanten Europäischen Verfassung verankern, warnte Greenpeace-Atomsprecher Erwin Mayer. Das würde den geplanten 29 neuen Atomreaktoren in Europa stärkeren Rückenwind verleihen. Zugleich kritisierte Mayer die schleppende und häppchenweise Informationspolitik des AKW-Betreibers. Allerdings sei diese Vorgehensweise weder allein für Ungarn noch nur für den ehemaligen Ostblock symptomatisch, sondern werde bei solchen Zwischenfällen überall auf der Welt praktiziert. (mir)

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