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Erhöhte Leukämierate bei Kindern durch AKW

An der Strahlendosis soll es nicht liegen, aber mit den AKW hat es offensichtlich zu tun: Eine neue Studie des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) hat ergeben, dass das Leukämierisiko für kleine Kinder mit der räumlichen Nähe zu einem Atomkraftwerk steigt. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel will die Studie jetzt überprüfen lassen.

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Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken (KiKK) lautet der Titel der Studie, die das Deutsche Kinderkrebsregister in Mainz für das BfS durchgeführt hat. Untersucht wurden 1.592 Fälle von krebskranken und - zur Kontrolle - 4.735 nicht erkrankten Kindern unter fünf Jahren.

Alle Kinder wuchsen in einem der 41 Landkreise rund um die deutschen Atomkraftwerke auf. Bei der Untersuchung ergab sich, dass vor allem die Zahl der Leukämiefälle im Zeitraum 1980 bis 2003 in diesen Regionen signifikant höher war als im statistischen Durchschnitt.

Der Zusammenhang zwischen einem erhöhten Leukämierisiko für Kinder und der Nähe des Wohnortes zu einem Atomkraftwerk ist nun methodisch unwiderlegbar dargestellt kommentiert Heinz Smital, Atomexperte von Greenpeace.

Smital weist darauf hin, dass die biologische Wirkung von niedrigen Strahlendosen noch lange nicht vollständig verstanden sei. Es gebe immer wieder Überraschungen, zum Beispiel bei der Beobachtung von Zellkulturen, die mit der gängigen Berechnung des Strahlenschutzrisikos nicht zu erklären seien.

Auch die Internationale Strahlenschutzkommission (ICRP) wird demnächst neue Richtlinien herausgeben. Sie hat unter anderem festgestellt, dass das Leukämierisiko bei Kindern dramatisch unterschätzt wurde.

Angesichts der Brisanz der Studie ist es richtig, sie zu prüfen. Dies muss aber schnell passieren. Und schon jetzt ist klar: Niemand kann Entwarnung geben zu den Risiken von Atomkraftwerken, so Smital.

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