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E.on muss eigenes Atom-Endlager in Finnland suchen

Finnland - ein Traum für Atomkraftliebhaber. Dies muss sich E.on wohl gedacht haben als sie 2007 ihr AKW-Neubauprojekt im hohen Norden gestartet haben. Kein zu erwartender Widerstand in der Bevölkerung und auch die lästige Frage nach der Atommüllentsorgung schien sich nicht zu stellen - schließlich wird in Finnland schon fleißig an einem vermeintlichen Endlager gebaut. Doch die Dinge entwickeln sich anders: E.on dürfte nun langsam aufwachen und wieder auf dem Boden der Realität ankommen.

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Ende Juni hat das Finnische Ministerium für Arbeit und Wirtschaft verlauten lassen, dass E.on einen eigenen Endlagerstandort suchen muss. In dem laufenden Endlagerprojekt gibt es voraussichtlich keinen Platz für Atommüll eines weiteren Reaktors.

Diese Nachricht stellt E.on vor zwei erhebliche Probleme: Erstens kostet ein eigenes Endlager sehr viel Geld. Greenpeace hat berechnen lassen, dass dies im Falle des E.on Neubauprojekts über 18 Milliarden Euro kosten kann. Zweitens stärkt dies den bereits jetzt schlagkräftigen Widerstand in der Region. Denn ein potentieller Standort für den Atommüll wäre am Ort des geplanten Atomkraftwerkes in Pyhäjoki. Selbst bei den hartgesottenen Atomkraftbefürwortern keimen jetzt Zweifel.

E.on ist Hauptanteilseigner an dem Firmenkonsortium Fennovoima. Dieses wurde 2007 ausschließlich für den Bau eines Atomkraftwerkes in Finnland gegründet. Offiziell soll das AKW ab dem Jahr 2020 Strom liefern, doch das dieser Zeitplan eingehalten werden kann, ist vollkommen unrealistisch.

Zurzeit kann der Energiekonzern noch nicht einmal mit den Arbeiten zur Infrastruktur beginnen. Denn Anwohner und die Bürgerinitiative Pro Hanhikivi haben eine Vielzahl von Einwänden gegen den geänderten Landnutzungsplan eingereicht. Es wird vermutlich einige Monate dauern bis das Gericht darüber entschieden hat.

Das Projekt hat bereits jetzt ein Jahr Verzögerung und weitere kündigen sich an, sagt Greenpeace-Atomexperte Tobias Riedl. E.on besitzt nicht alle Grundstücke, die für den Kraftwerksbau benötigt werden und die Besitzer sind bislang nicht bereit zu verkaufen. Kommt es zu einer Enteignung der Menschen wäre dies in Finnland ein Präzedenzfall, noch nie gab es eine Enteignung von Bürgern für ein privatwirtschaftliches Bauvorhaben.

Das Projekt könnte sich aber noch weiter verzögern: Aufgrund des Atomunfalls in Fukushima werden in Finnland neue Sicherheitsanforderungen für den Neubau von AKW erarbeitet. Damit das Pyhäjoki-Projekt diese verschärften Vorschriften erfüllen kann, müssen wahrscheinlich neue Sicherheitsnachweise erbracht und die Auslegung des Reaktors geändert werden. Wie langwierig diese Prozeduren sind, ist im Moment nicht zu kalkulieren.

Gut 400 Kilometer weiter südlich, in Olkiluoto liefert die Atomindustrie das beste Anschauungsmaterial welches wirtschaftliche Risiko ein AKW-Neubau mit sich bringt. Die Kosten des EPR-Reaktors, der dort gebaut wird, haben sich auf 6,6 Milliarden Euro erhöht. Das ist mehr als doppelt so viel wie geplant.

Auch der Fertigstellungstermin wurde vor wenigen Tagen erneut nach hinten verschoben. Ursprünglich sollte der Reaktor bereits seit 2009 Strom liefern. Doch der Termin musste bereits mehrmals korrigiert werden. Jetzt ist klar das auch der zuletzt angekündete Termin im Jahr 2014 nicht mehr eingehalten werden kann.

Ein finanzielles Desaster wie in Olkiluoto ist auch für das Neubauprojekt in Pyhäjoki zu erwarten. E.on muss sofort aus diesem Irrsinns-Projekt aussteigen - sonst wird sich Pyhäjoki zum nuklearen Alptraum für E.on entwickeln.

Auf der Webseite des Finnischen Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft finden sie die Pressemitteilung zur Endlagerentscheidung (engl.)

Tobias Riedl berichtet in einem Blogbeitrag von seinem Besuch in Pyhäjoki.

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