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Greenpeace verlangt zum Energiegipfel: Kein Foulspiel auf Kosten der Umwelt

Energieerzeugung morgen - Tor oder Eigentor?

Das wünschen wir uns alle: eine Energieversorgung ohne Risiken für Menschen und Umwelt, effizient und nachhaltig. Unabhängig von überholten Technologien und dahinschwindenden Rohstoffen. Wer heute noch auf Atomkraft und fossile Energieträger setzt, begibt sich sehenden Auges ins Abseits. Um die Teilnehmer des Energiegipfels daran zu erinnern, hat eine Greenpeace-Elf sich am Montagabend vor dem Kanzleramt aufgestellt.

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Lassen Sie sich nicht zum Spielball der Konzerne machen, Frau Merkel! Diese Botschaft stand auf dem Fußball, den einer der Greenpeace-Aktivisten zu Beginn der Verhandlungen ins Bundeskanzleramt schoss. Zehn weitere Aktivisten in Fußballtrikots hielten ein Banner mit der Aufschrift: Keine Verlängerung für Atomkraft

Auf dem Energiegipfel geht es um die Zukunft der Energieversorgung in Deutschland. Ein guter Zeitpunkt, um sich von den Risiken der Atomkraft, von den klimazerstörenden Kohlekraftwerken und von der Abhängigkeit importierter Rohstoffe zu verabschieden, erklärte Thomas Breuer, Atomexperte von Greenpeace. Heute können die Weichen für eine effiziente Energieversorgung aus Erneuerbaren Energien gestellt werden. Dafür muss aber die Vernunft siegen, nicht die Profitinteressen der Konzerne. Jetzt ist Angela Merkel am Ball.

Offiziell hieß es, das Thema Atomkraft solle auf dem Energiegipfel ausgespart bleiben. Doch die großen Energiekonzerne RWE, E.ON, Vattenfall und EnBW nutzen jede Gelegenheit, die Atomkraft wieder ins Spiel zu holen. Massiv versuchen sie, die Politiker auf eine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke einzuschwören.

Atomkraft ist keine Lösung für eine nachhaltige und moderne Energieversorgung in Deutschland, hält Breuer dagegen. Atomkraft ist hochgradig gefährlich, der Rohstoff Uran reicht nur noch für 65 Jahre und die Menschen in Deutschland wollen sie nicht. Mit den geplanten Anträgen auf Laufzeitverlängerung der altersschwachen Reaktoren in Biblis, Brunsbüttel und Neckarwestheim haben die Energiekonzerne den Atomkonsens aufgekündigt.

Greenpeace warnt auch davor, die Verhandlungen über die zukünftige Energiepolitik durch faule Deals zu gefährden. Schon im Vorfeld des Gipfels hatte die Energiewirtschaft ein so genanntes Geschäft angekündigt. Sie sei bereit, Milliarden in neue Kraftwerke zu investieren, wenn ihr die Regierung bei der kostenlosen Vergabe von CO2-Zertifikaten entgegenkomme.

Sehr freundlich, nur: Die meisten Kraftwerke sind so veraltet, dass sie ohnehin erneuert werden müssen. Staatliche Beihilfen durch Gratis-Zertifikate für neue Kohlekraftwerke wären ein Eigentor auf Kosten zukünftiger Generationen. Die langfristigen Klimaschutzziele der Bundesregierung würden damit massiv torpediert.

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