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Endlager Gorleben gefährdet Trinkwasser

Erst Radioaktivität in Fässern, dann Radioaktivität unter der Erde und schließlich Radioaktivität im Trinkwasser. So sieht verkürzt der mögliche Weg hochradioaktiv strahlenden Atommülls in einem Endlager Gorleben aus. Deswegen haben am Dienstagmorgen rund 20 Greenpeace-Aktivisten in Dannenberg gegen den bald anstehenden Transport von einem weiterem Dutzend Castorbehältern mit Atommüll ins Wendland protestiert.

Während einige Aktivisten vor dem Verladekran am Bahnhof Dannenberg demonstrierten, kletterten andere auf das Dach des Krangebäudes und befestigten ein sieben mal neun Meter großes Transparent. Erst wenn der letzte Tropfen Grundwasser verstrahlt ist, werdet ihr feststellen, dass Gorleben kein sicheres Endlager für Atommüll ist, lautet die Warnung auf dem Banner. Die Aktion stieß bei der betroffenen Bevölkerung auf großes Interesse. Viele waren vor dem Kran erschienen und zollten den Aktivisten Beifall.

Der Salzstock in Gorleben ist geologisch für die Lagerung von Atommüll völlig ungeeignet, sagte Greenpeace-Atomexperte Mathias Edler. Wenn die Bundesregierung dort Atommüll vergräbt, setzt sie die Trinkwasserversorgung kommender Generationen aufs Spiel.

Eine bekannte Tatsache ist: Der Salzstock ist nicht komplett vom Wasserkreislauf getrennt. Sehr kleine radioaktiv strahlende Teilchen aus einem - eventuellen - Endlager könnten langfristig ins Grundwasser gelangen. Das wird auch als Trinkwasser genutzt. Wenn Menschen dieses Wasser trinken, würden sie innerlich verstrahlt werden. Die medizinischen Folgen von Verstrahlung können in jedem Medizin-Lexikon nachgeschlagen werden: Immunerkrankungen, Krebs, Tod.

Dass der Salzstock in Gorleben überhaupt heutzutage als mögliches Atomendlager im Gespräch ist, verdanken wir einem ehemaligen Ministerpräsidenten von Niedersachsen. Ernst Albrecht (CDU) hatte 1977 aus rein politischen Erwägungen die geologische Formation nahe der Grenze zur DDR als Endlager ins Spiel gebracht. Doch schon vier Jahre später stellten Wissenschaftler fest, dass sich über dem Gorlebener Salzstock keine durchgehende Tonschicht befindet, die das Salz 100-prozentig vom Grundwasser trennt.

Das ist der Atomindustrie und der Politik jedoch egal. Sie halten unbeirrt an dem Standort fest - und schaffen immer weiter Tatsachen: Direkt über dem Salzstock nahm die Bundesregierung 1995 schon mal ein oberirdisches Zwischenlager für Atommüll in Betrieb. Seitdem wurden dort schon 32 Behälter mit hochradioaktiven Abfällen eingelagert. Im Zwischenlager muss der Atommüll rund 40 Jahre lang abkühlen, anschließend soll er in ein Endlager. Ein solches ist aber bis heute - weltweit - nicht gefunden.

Greenpeace erwartet für die Woche ab dem 10. November 2003 einen weiteren Transport mit zwölf Castoren aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague. Mathias Edler: Jeder weitere Castor im Zwischenlager Gorleben erhöht das Risiko, dass auch das geplante Endlager dort in Betrieb genommen wird - mit unkalkulierbaren Risiken für die Region.

Von der Bundesregierung fordert Greenpeace, die Castor-Transporte zu beenden, den unsicheren Salzstock Gorleben als Standort für ein Atommüll-Endlager aufzugeben und mit der Suche nach einer anderen, weniger gefährlichen Möglichkeit der Entsorgung zu beginnen.

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