Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Ein Jahr ohne Atomkraft

Die japanische Bevölkerung hat Grund zum Feiern: Seit einem Jahr kommt Japan ohne AKW aus. Die Regierung hält jedoch an der Atomenergie fest.

  • /

Japan, als drittgrößte Wirtschaftsnation der Welt, hat es am 15.9 geschafft: Ein Jahr ohne Atomkraft, das ist ein historisches Ereignis. Denn zum ersten Mal seit 1966 gelang es Japan, seinen Spitzenbedarf an Strom ohne Atomenergie zu erzeugen. Vor etwa einem Jahr wurden die letzten beiden von insgesamt 48 Reaktoren abgeschaltet. Seitdem hat sich der Ausbau der Erneuerbaren rasant entwickelt. Laut einer Greenpeace-Studie kann Japan somit 40 Prozent des Strombedarfs bis 2020 durch Erneuerbare Energien decken und sein Klimaschutzziel erreichen: eine Reduktion der CO2-Emissionen um 25 Prozent.

Verkehrte Welt

Das atomfreie Jahr ist ein eindeutiger Beweis, dass die Rolle der Atomenergie als verlässliche Stromquelle überschätzt wird. Die Mehrheit der Bevölkerung sieht das genauso und wünscht sich eine Zukunft ohne Atomkraft. Doch die Regierung von Premierminister Abe hält an der Atomenergie fest und erhöht den Druck auf die Atomaufsicht NRA (Nuclear Regulator Authority).

Die NRA gab daraufhin bekannt, dass die Atomreaktoren Sendai 1 und 2 nach den ausgeführten Änderungen den Sicherheitsanforderungen genügen. Das ist noch keine Genehmigung für ein Wiederanfahren der Reaktoren, doch ein erster Schritt. Leider in die falsche Richtung.

Es müssen noch rund 50.000 Seiten technischer Dokumentation durchgearbeitet und Prozeduren im Unfallverhalten bewertet werden. Auch gibt es noch keine verlässliche Einschätzung über die Risiken von Erdbeben und Vulkanausbrüchen und Widersprüche in der Notfallplanung. Die Sicherheit des AKW wird weiter geprüft und es bleibt offen, wann ein Wiederanfahren genehmigt werden wird.

Atomzukunft unklar

Welche Rolle die Atomkraft künftig in Japan spielen wird, ist noch unklar. Viele der bestehenden Reaktoren werden den verschärften Sicherheitsvorschriften nicht genügen und nie wieder ans Netz gehen. Und im Jahr 2016 soll der Strommarkt weiter liberalisiert werden, sodass jeder Verbraucher seinen Stromerzeuger dann frei wählen kann. Viele gehen mit gutem Beispiel voran. Die Bevölkerung, Kommunen  sowie die Industrie setzen schon jetzt bereits auf Erneuerbare Energien und deren Ausbau.

Nur die Regierung setzt weiter auf Atomkraft. Dabei sollte sie sich lieber um die Auswirkungen der Atomkatastrophe in Fukushima kümmern, den betroffenen Menschen helfen und ambitionierte Ziele im Ausbau der Erneuerbaren umsetzen. 

Publikationen

Japan: 1 Jahr atomfrei

Am 15. September 2014 feiern die Menschen in Japan ein Jahr ganz ohne Atomstrom. Das ist mehr als nur ein Symbol. Es demonstriert, dass die drittgrößte Industrienation der Welt Sommer wie Winter ohne Atomkraft auskommt.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Report: Unequal Impact

Menschenrechtsverletzungen bei Frauen und Kindern nach dem Atomunfall im Kraftwerk Fukushima Daiichi. Report in englischer Sprache.

Mehr zum Thema

Versagen auf ganzer Linie

Japan ist der Atomkraft wieder ein Stück näher gekommen. Das umstrittene AKW Sendai soll erneut ans Netz gehen. Grund ist ein fragwürdiges Gutachten der Atomaufsichtsbehörde.

Sicherheit ist gutes Recht

Frankreichs AKW haben ernste Sicherheitsmängel; darauf machten Greenpeace-Aktivisten mit friedlichem Protest aufmerksam. Ein AKW-Betreiber zog vor Gericht – mit mäßigem Erfolg.

Schlechter Gewinner

Frankreichs Präsident Macron wird für seine Vision Europas mit dem Karlspreis ausgezeichnet. Doch sein Beharren auf Atomkraft verdient keine Würdigung, sagen Greenpeace-Aktivisten.